Materialpreise

Auf dieser Seite stellen wir aktuelle Informationen und Tipps zur Kalkulation von Materialpreisen und Ausschreibung von Kanalsanierungsprojekten zur Verfügung.

Achtung: Diese Seite wird sukzessive um Informationen erweitert. Wir freuen uns, wenn Sie regelmäßig vorbeischauen. Wir halten Sie auf dem Laufenden!

Ausschreibungen: Tipps und Fakten für die Kanalsanierung

Erhebliche Preissteigerungen in der Chemieindustrie und im Energiebereich sowie knappe Verfügbarkeit in diversen Branchen machen Auftraggebern im Bereich Kanalsanierung zu schaffen. Aktuelle Fakten und Empfehlungen für ausschreibende Stellen:

Wann ist in öffentlichen Verträgen ein neues Vergabeverfahren notwendig? (11.05.22)

Die Grenze für eine nachträgliche Anpassung ist in § 132 GWB geregelt. Nachträgliche Änderungen sind möglich, wenn "der Wert der Änderung der Liefer- und Dienstleistungsaufträge nicht mehr als 10 Prozent und bei Bauaufträgen nicht mehr als 15 Prozent des ursprünglichen Auftragswertes beträgt". Ansonsten gilt: Wesentliche Änderungen erfordern eine Neuausschreibung.

Eine wesentliche Änderung liegt unter anderem dann vor," wenn mit der Änderung das wirtschaftliche Gleichegwicht des öffentlichen Auftrages zugunsten des Auftragnehmers in einer Weise verschoben wird, die im ursprünglichen Auftrag nicht vorgesehen war." (§ 132 GWB (1),2). "Ferner wird eine wesentliche Änderung angenommen, wenn sich durch die Änderung das wirtschaftliche Gleichgewicht des Auftrags zugunsten des Auftragnehmers verschieben würde (Nr. 2). Wesentlich sind zudem nachträgliche Änderungen, wenn mit der Änderung der Umfang des öffentlichen Auftrags erheblich ausgeweitet (Nr. 3) oder der „alte“ Auftragnehmer durch einen neuen Auftragnehmer ersetzt wird (Nr. 4)." (Quelle: DTVP)

"Bei Preissteigerungen um mehr als 50 Prozent wird dies regelmäßig angenommen" (Quelle: Jäger Rechtsanwälte)

(ohne Gewähr)

Wann kann eine "Störung der Geschäftsgrundlage" vorliegen? (11.05.22)

Die Anforderungen für eine Störung der Geschäftsgrundlage nach § 313 BGB sind grundsätzlich hoch. Sie ist im Einzelfall zu betrachten und setzt eine erhebliche Veränderung der Voraussetzungen voraus. So muss etwa nachgewiesen sein, dass Auftragnehmer den Vertrag – unter den veränderten Rahmenbedingungen – nicht eingegangen wären. Nach der aktuellen Rechtsprechung können selbst Ereignisse wie Revolution, Krieg, Vertreibung, Hyperinflation oder eine (Natur-) Katastrophe nicht herangezogen werden, um einen Wegfall der Geschäftsgrundlage zu begründen. (BGH, XII ZR 8/21)

Wo findet man die Empfehlung des RSV zur Stoffpreisgleitklausel für Schlauchliner? (09.05.22)

Mit einer Empfehlung zum Herunterladen bietet der RSV seit dem 9.5.22 nun eine Möglichkeit für ausschreibende Stellen, die die Preisgleitklausel bei Schlauchlinern anwenden müssen oder möchten.

Das Dokument enthält einen Verbundindex mit GP-Nummern für die jeweiligen Materialien, aus denen Schlauchliner bestehen. Je nach Material gibt es einen eigenen Index, der bei einer starken Preissteigerung zwischen Angebotseröffnung (Basiswert 2) und Abrechnung (Basiswert 3) herangezogen werden kann.

Um die Berechnung zu vereinfachen, gibt es eine Beispielrechnung sowie eine Excel-Datei zum Herunterladen, die eine einfache Ermittlung des GP-RS ermöglicht.

Hier geht es zur Index-Empfehlung

Erstellt am 09.05.22

Wie werden die im Formblatt 225 geforderten Basiswerte berechnet? (Beispielrechnung) (09.05.22)

Beispielrechnung

An dieser Stelle eine Beispielrechnung (anhand fiktiver Werte): Wert der Position laut Ausschreibung: 300 Euro / m

 

Basiswerte

Zeitpunkt

Ermittlungsweg

Indexwert

in Euro

1

Basiswert 1

Versand der Angebotsunterlagen (Monat)

Ermittelt (Mittelwert aus 3 Angeboten oder Erfahrungswert

110

300 €/m

2

Basiswert 2

Angebotseröffnung (Öffnen der Angebote) (Monat)

Basiswert 1 * (Indexwert aus 2/Indexwert aus 1)

122

300 €*(122/110)=332,73 €

3

Basiswert 3

Abrechnungszeitpunkt (Monat)

Basiswert 2 * (Indexwert aus 3/Indexwert aus 2)

144

332,72 €*(144/122)=392,72 €

Mehraufwendung aus diesem Beispiel: 59,99 Euro, Selbstbehalt: 5,99 €. Auszahlung 54 € / m

Angebotspreis des bezugschlagten Angebotes: 370 €/ m

Preisfortschreibung Basiswert 3: 370 €/m + 54€/m = neuer Preis: 424 €/m

 

Hinweise:

  • Die Preise zur Ermittlung des Basiswerts 1 sind Herstellerpreise, die vom eigentlichen Angebot des ausführenden Unternehmens losgelöst sind (arithmetisches Mittel aus 3 vom Auftraggeber abzufragenden Herstellerpreisen, vgl. Ziff. 6.2 der RiLi zu 225). Sind keine Preise verfügbar, muss der Auftraggeber einen auf Erfahrungswerte fußenden Betrag eingeben (vgl. Erlass BMWSB v. 25.03.2022). Die Entwicklung bei Eröffnung des Angebots wird über den Basiswert 2 abgebildet (vgl. Ziff. 3.4 Formblatt 225). Auch hier spielt der Angebotspreis des ausführenden Unternehmens keine Rolle für die Preisgleitung. Der Basiswert 2 wird anhand einer feststehenden Formel aus dem Basiswert 1 fortgeschrieben. Gleiches gilt für den Basiswert 3. Auch hier spielt der tatsächliche Angebotspreis des Unternehmens keine Rolle.
  • Die Verrechnung des Ergebnisses der Preisgleitklausel erfolgt nach Ziff. 3.6 des Formblattes 225. Hiernach werden die errechneten Mehr- oder Minderaufwendungen für jede im Formblatt angegebene Position unter Berücksichtigung des Selbsteinbehalts zusätzlich zum Angebotspreis vergütet bzw. von diesem abgezogen.

 

Ist die Schaffung eines eigenen Indexes für das Schlauchlining sinnvoll? (09.05.22)

Das Formblatt zur Preisgleitklausel aus dem Vergabehandbuch des Bundes verlangt zur Bewertung GP-Nummern aus der Erzeugerpreisstatistik des Statistischen Bundesamts und die dazugehörigen Indizes.   Diese sind unter anderem hier zu finden (mit Strg + Fz. B.  nach „Rohre“ zuchen) Link aktualisiert am 02.05.22

Da es z. B. für das Schlauchlining einen solchen Indexwert bisher nicht gibt, wäre die Voraussetzung für einen eigenen Index, dass dieser die tatsächliche Verkaufspreisentwicklung der auf die Baustelle gelieferten Produkte nachweislich abbildet. Der RSV hat eine Lösung erarbeitet, die es ausschreibenden Stellen ermöglicht, in unsicheren Situationen wie diesen eine sichere Kalkulation gemäß der Vorgaben des Formblatts zu ermöglichen. Diese liegt seit dem 6. Mai vor.

Hier geht es zur Indexempfehlung GP-RS

Erstellt am 21.04.22, überarbeitet am 26.04.22 und zuletzt am 09.05.22

Welche GP-Nummer kommt dem Schlauchliner am nächsten? (09.05.22)

Schlauchliner sind Produkte, die aus verschiedenen Grundstoffen bestehen. Sie werden als Vorprodukte auf die Baustelle geliefert und vor Ort zu einem statisch tragenden Rohr fertiggestellt. Die Produktion erfolgt somit im Kanal selbst. Anders als bei Stoffen wie "Bitumen" oder "Kunststoffrohre" ist es schwierig, in der Liste der Erzeugerpreise des Statistischen Bundesamts eine GP-Nummer zu finden. Glasfasern, Synthesefasern, Harze, Füllstoffe – diese müssten zu festen Anteilen angegeben werden. Analog zu den Bestandteilen kann eine GP-Nummer im Verbund betrachtet werden - hierzu erarbeitet der RSV gerade eine Empfehlung.

Es bleiben – unabhängig von dieser Möglichkeit – zwei Grundprobleme in der Anwendung des Formblatts 225 des Vergabehandbuchs:

1. Um den Basiswert 1 zu berechnen, braucht man nicht nur eine GP-Nummer, sondern auch einen Angebotspreis von 3 Anbietern, die dann zu einem arithmetischen Mittel zusammengefasst werden. Anders als bei Bitumen oder Dieselkraftstoff führen Hersteller im Bereich Schlauchlining keine offiziellen Preislisten (siehe Punkt "Preiskalkulation für Schlauchliner: So rechnen Sanierungsunternehmen (08.04.22)").

2. Die Erzeugerpreisstatistik betrachtet Preisentwicklungen von in Deutschland erzeugten Rohstoffen und Produkten. Einige Bestandteile von Schlauchlinern sind allerdings abhängig von Entwicklungen im Weltmarkt, die sich in der deutschen Erzeugerpreisstatistik nicht darstellen. Beispiel:

Glasfaserliner bestehen aus ECR-Glasfasern. Die GP-Nummer, die anwendbar wäre, ist die Nummer GP 13 2046000 "Gewebe aus Glasfasern einschließlich Bändern". Für dieses Produkt gibt es laut Destatis 14 nationale Hersteller in Deutschland, die Preisinformationen an das Statistikamt melden. Laut den Destatis-Daten liegt der Anstieg binnen des vergangenen Jahres bei rund 10 Prozent.

Vergleicht man die Entwicklung der Daten von Januar 2021 bis Januar 2022, stellt man schnell fest: Diese deckt sich in keinster Weise mit den realen Preisentwicklungen für ECR-Glasfaser-Rovings am internationalen Markt. Der Anstieg betrug im gleichen Zeitraum mehr als 90 Prozent. Die Gründe dafür liegen unter anderem im erheblich gestiegenen Bedarf an Windkraftanlagen am Weltmarkt.

Einen weiteren Punkt gilt es zu bedenken: Die stark gestiegenen Rohstoffpreise werden durch Hersteller nicht direkt an die Abnehmer weitergegeben. Hier sieht man – auch bei anderen Produkten der Statistik – eine deutliche zeitliche Verzögerung. Betrachtet man die Entwicklung der tatsächlichen Verkaufspreise der Hersteller von Schlauchlinern an die ausführenden Unternehmen, gibt es eine deutlich sichtbare Korrelation.

Mit dem Verbund-Index "GP-RS" hat der RSV nun einen Verbundindex definiert, der die Ausschreibung von Schlauchlinern nach dem Vergabehandbuch ermöglichen soll.

Hier geht es zur Index-Empfehlung

aktualisiert am 09.05.22

Wann gibt es eine Fortführung / Wiederholung des Webinars "Sichere Vergabe in Krisenzeiten"? (09.05.22)

Anders als angekündigt werde wir werden je nach Bedarf für Mitgliedsunternehmen und Netzbetreiber eine Wiederholung des Webinars ansetzen, wenn sich Erfahrungen aus der Nutzung der RSV-Empfehlung ergeben haben. Teilen Sie uns gern mit, wenn Sie diesbezüglich einen Bedarf haben.

Ingenieurbüros können an diesem Termin dabei sein, wenn sie Mitglied im RSV sind. Hier geht's zum Mitgliedsantrag

Aktualisiert am 09.05.22

 

Ist die Nutzung der Formblätter 221 bis 223 aus dem Vergabehandbuch eine Alternative zur Stoffpreisgleitklausel (Formblatt 225)? (26.04.22)

Mangels eindeutiger GP-Nummern werden immer wieder die Formblätter 221-223 des Vergabehandbuchs des Bundes ins Gespräch gebracht, bei denen der Bieter seine Kalkulation mit vorbestimmten Zuschlägen versieht. Diese Blätter als Ersatz für den festzulegenden Basiswert 1 zu nutzen oder hierdurch die GP-Nummer zu ersetzen, sieht Rechtsanwalt Robin Lorenz von der Kanzlei CLP aus zwei Gründen für problematisch. ”Der Basiswert 1 muss zum Zeitpunkt der Versendung der Vergabeunterlagen festgelegt werden, wie es die Richtlinie zu 225 in Ziffer 6.1.1. festlegt. Wenn man auf die Preise nach Formblatt 223 abstellt, eröffnet man nicht nur Spielräume für Spekulationen, sondern verzögert auch den Basiswert 1 um den Zeitraum der Angebotsfrist. Denn das Formblatt erhalten Sie erst mit Angebotsabgabe.” Außerdem würden Auftraggeber keinen einheitlichen Referenzwert erhalten, da das Formblatt 223 Ausdruck der Kalkulation eines jeden Bieters ist, die naturgemäß voneinander abweichen können. Mithin erhalten Sie je nach Angebot einen anderen Referenzwert. Auch dies halte ich für schwierig, da es ein objektiver Referenzwert sein soll.”

Erstellt am 14.04.22, überarbeitet am 26.04.22

Was der Erlass BMWSB für die Kanalsanierung bedeutet (26.04.22)

Der Erlass des Bundesministeriums (Download unten auf der Seite) gilt ausschließlich für Baumaßnahmen des Bundes. Für alle anderen ist die Anwendung freiwillig, wenngleich Bundesbauministerin Klara Geywitz unlängst die Empfehlung für die Anwendung durch Länder und Kommunen ausgesprochen hat. Bei Bundes-Baumaßnahmen wird die Nutzung des Formblatts 225 (Einbeziehung der Preisgleitklausel) vorgeschrieben, wenn und soweit zwischen Angebotsabgabe und Lieferung bzw. Fertigstellung ein Zeitraum von einem Monat liegt. In laufende Vergabeverfahren soll eine Preisgleitklausel nachträglich eingeführt werden. Nach Angebotseröffnung soll die Ausschreibung zurückversetzt werden und die Preisgleitklausel ist nachträglich einzubeziehen. Eine spontane Umfrage im Webinar zeigte: Das Vergabehandbuch des Bundes ist für die meisten der ausschreibenden Stellen aufgrund interner Vorgaben zwingend anzuwenden.

Erstellt am 08.04.22, überarbeitet am 26.04.22

Alternative: Allgemeine Verhandlungsklausel (26.04.22)

Als Alternative stellt Rechtsanwalt Robin Lorenz von der Kanzlei CLP die Lösung vor, Verhandlungsklauseln in der Ausschreibung zu formulieren. Bei laufenden Verträgen sei es zudem ratsam, mit dem Auftragnehmer gemeinsam nach Lösungen zu suchen. ”Sprechen können die Parteien im Rahmen der Vertragsdurchführungimmer, das setzt allerdings ein hohes Maß an Vertrauen voraus”, so Lorenz. Eine allgemeine Verhandlungsklausel abseits des Vergabehandbuchs kann den Parteien einen vertraglichen Anspruch verschaffen. Dies ist aber dann schwierig zu realisieren, wenn öffentliche Auftraggeber ausschließlich das Vergabehandbuch verwenden dürfen. Noch zu beobachten ist die Frage, wie sich Angebote entwickeln, wenn keinerlei Preisgleitklausel eingebunden wird.” 

Erstellt am 08.04.22, überarbeitet am 26.04.22

Wie findet man beim Statistischen Bundesamt einen Indexwert? (21.04.22)

Klicken Sie auf zur Ermittlung der aktuellen Erzeugerpreisstatistik auf www.destatis.de. Dort wählen Sie "Genesis Datenbank" und dann die Nummer 6 "Preise, Verdienste, Einkommen und Verbrauch", dann auf den Punkt 61-Preise, 612-Agrar- , Erzeuger-, Bau-, Großhandelspreise, 61241 Index der Erzeugerpreise gewerblicher Produkte. Um die monatliche Entwicklung abzurufen, empfiehlt sich der Punkt 61241-0004: Erzeugerpreisindex gewerblicher Produkte: Deutschland, Monate, Güterverzeichnis (GP2009 2-/3-/4-/5-/6-/9-Steller/Sonderpositionen).

Aufgeführt werden Rohstoffe und Industrieerzeugnisse, die von Produzenten des Verarbeitenden Gewerbes, der Energie- und Wasserwirtschaft sowie des Bergbaus in Deutschland hergestellt und im Inland verkauft werden.

Wie sind Mehr- und Minderaufwendungen bei einer Preisgleitklausel zu berechnen? (14.04.22)

Dies ist unter Punkt 6 des Formblatts 225 gut verständlich erläutert. Schon für die Ausschreibung ist wichtig zu wissen: Grundvoraussetzung ist die Festlegung der aufgeführten Stoffe im "Verzeichnis für Stoffpreisgleitklausel" mit der jeweiligen Ordnungsziffer (OZ) aus dem LV.

Folgende Angaben sind zu machen:

  • GP-Nummer (Betriebsstoffe: Abrechnungseinheit) (Güterverzeichnis Produktionsstatistik)
  • Abrechnungszeitpunkt (z. B. Einbau, Lieferung oder Verwendung)
  • Basiswert 1 (festzulegen aus dem arithmetischen Mittel der Angaben von mindestens 3 einschlägigen Lieferanten)

Demgegenüber steht dann der Basiswert 2 zum Zeitpunkt der Submission. Der Basiswert 3 berechnet sich dann aus der Multiplikation von Basiswert 2 mit dem Quotienten aus Index des Abrechnungszeitpunkts und Index der Angebotseröffnung.

Mehr- oder Minderaufwendungen werden errechnet für jede Position (OZ) im "Verzeichnis für Stoffpreisgleitklausel", als Differenz des Basiswertes 3 und des Basiswertes 2, multipliziert mit der abzurechnenden Menge.

Das Formblatt zum Download

Was ist aus statistischer Sicht bei Preisleitklauseln zu beachten? (14.04.22)

Diese Frage beantwortet Destatis aktuell auf der Internetseite.

"Aus statistischer Sicht ist es sinnvoll, in Verträgen nicht auf Indexpunkte, sondern auf prozentuale Veränderungsraten abzustellen, da Indexpunkte stark vom absoluten Indexstand der verglichenen Indizes abhängen."

Mehr dazu hier:

https://www.destatis.de/DE/Themen/Wirtschaft/Preise/Erzeugerpreisindex-gewerbliche-Produkte/Methoden/Erlaeuterungen/preisgleitklauseln.html

Wie hilft das Statistische Bundesamt weiter? (12.04.2022)

Auskünfte zu Preisen trifft das Statistische Bundesamt nicht. Allerdings lohnt sich durchaus die Kontaktaufnahme. Destatis teilt aktuell mit:

"Unternehmen verwenden in Verträgen mit anderen Unternehmen häufig Preisgleitklauseln, um sich gegen Marktrisiken abzusichern. Darin wird häufig auf die Entwicklung des Erzeugerpreisindex oder eines seiner Subindizes Bezug genommen. Zum Teil werden auch Außen- oder Großhandelspreisindizes oder die Preise für ausgewählte Mineralölprodukte verwendet.

"Preisindizes für Stahl werden zum Beispiel als Bezugsgröße für Preisanpassungen bei Verträgen in der Baubranche eingesetzt. Tarife für die Güterbeförderung mit LKWs sind sehr oft an die Preisentwicklung wichtiger Kostenbestandteile wie die Erzeugerpreise für LKW und Diesel gekoppelt.

  • Wenn Sie Fragen zu Preisindizes und deren Verwendung in Preisgleitklauseln haben, bieten wir Ihnen allgemeine fachliche und methodische Beratungsleistungen. Einzelfallbezogene Berechnungen des Geldwertes von Forderungen oder Verbindlichkeiten für die Anpassung vertraglich vereinbarter Preisänderungsklauseln können wir nicht vornehmen, da sie nicht zu unserem gesetzlichen Aufgabenumfang gehören. Insbesondere rechtsverbindliche Auskünfte sind uns untersagt.
  • Wir können auch keine Empfehlungen aussprechen, welcher Index bestimmten Vertragsverhältnissen zugrunde zu legen ist, da es sich dabei nicht um ein statistisches Problem, sondern um eine Ermessensfrage zu einem privatrechtlichen Vertrag handelt, die von den Vertragsparteien selbst zu beantworten ist."

Quelle: Destatis

Welche Möglichkeiten bietet das Statistische Bundesamt, GP-Nummern zur Kanalsanierung langfristig aufzunehmen? (13.04.2022)

Die Klassifikationsstatistik der Güter wird etwa alle fünf Jahre überarbeitet. Für die Preiskalkulation relevante Stoffe und Produkte, die bisher nicht aufgeführt wurden, können dort aufgenommen werden.  Um Aktualisierungen vorzunehmen, werden regelmäßig auch Verbände angehört. Der RSV gehört nun zu den Verbänden, die das Bundesamt für Statistik künftig für die Anhörung in die Klassifikation aufnimmt. Allerdings: Aufgenommen werden in den Erzeugerpreisindex nur jene Produkte und Stoffe, die zu den umsatzstärksten gehören.

Aktuelle Situation für Unternehmen im Schlauchlining (08.04.2022)

Die Grundstoffe für Schlauchliner sind hauptsächlich auf Erdöl basierende Harze (Ungesättigtes Polyesterharz oder Epoxidharz) sowie Trägermaterialien (Schläuche aus speziellen ECR-Glasfasern oder Nadelfilz). Seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine und der massiven Verteuerung von Energie haben sich die Preise für petrochemische Grundstoffe zum Teil vervielfacht (aktuelle News dazu unten).

Hinzu kommt: Preisgarantien für Grundstoffe werden laut einem Hersteller derzeit nur noch maximal 14-tägig gegeben. Es herrscht eine Ausnahmesituation, die die Folgen der Corona-Pandemie und Lieferausfälle Anfang vergangenen Jahres nochmal deutlich in den Schatten stellt. Siehe: RSV-Stellungnahme: RSV fordert Sonderregelungen bei öffentlichen Kanalsanierungen 

Für Hersteller wird es derzeit zunehmend schwer, Preise über einen längeren Zeitraum stabil zu halten - sie müssen die Preissteigerungen an die ausführenden Unternehmen weitergeben.

Ausführende Firmen, die Ende vergangenen Jahres den Auftrag für die Ausführung einer Baustelle erhalten haben, die in diesem Jahr ansteht, sind ebenfalls in einer schwierigen Situation. Längerfristige Aufträge zu kalkulieren, ist so gut wie unmöglich, was zu einer Zurückhaltung auf Auftragnehmerseite führt.

Preiskalkulation für Schlauchliner: So rechnen Sanierungsunternehmen (08.04.22)
In der Regel werden Kanalsanierungen über Bieterwettbewerbe nach VOB ausgeschrieben. Ist die Ausschreibung veröffentlicht, bewerben sich die ausführenden Firmen und kalkulieren für das Angebot einen Preis, der aus dem Vorprodukt Schlauchliner und den Kosten für die Installation besteht.
 
Vorgegeben werden über die Ausschreibung i. d. R. Rahmenbedingungen, Länge, Durchmesser und das gewünschte Trägermaterial des Schlauchliners.
 
Die Verkaufspreise für Schlauchliner-Vorprodukte sind nicht öffentlich und werden zwischen Sanierungsfirmen und Hersteller individuell ausgehandelt. Je nach Mengenabnahmen gibt es zuweilen Rabatte. Um den Preis für das Vorprodukt  Schlauchliner zu ermitteln, fragen ausführende Unternehmen diesen beim Hersteller an. Hinzu kommen Lohnkosten, Baustellensicherungsmaßnahmen, Wasserhaltung (also die Ableitung des Wassers während der Arbeiten) sowie Anschlussleitungen, Manschetten, Transportkisten, Treibstoff.
 
Den Angebotspreis für den Schlauchliner geben ausführende Unternehmen über das Angebot weiter. Bei deutlichen Preiserhöhungen, die zwischen dem Vertrag und der Ausführung liegen, ist dann in der Regel keine nachträgliche Weitergabe der Kostensteigerung möglich. Hier kommt es auf das Gespräch zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer an (siehe RSV-Stellungnahme vom 24.03.2021: Rohstoffengpässe setzen Branche unter Druck)
 
Nach erfolgter Arbeit wird der vereinbarte Preis gemäß Angebot an den Auftragnehmer (Sanierungsunternehmen) ausgezahlt.
Verzicht auf Preisgleitklauseln - welche Konsequenzen drohen? (09.05.22)

Eine Pflicht, Preisgleitklauseln zu verwenden und gegebenenfalls Ausschreibungen anzupassen, besteht derzeit nur bei Baumaßnahmen des Bundes (siehe Erlass). In der Regel geht mi Wird eine konkrete Kalkulation der Materialien in der Ausschreibung nicht gefordert, ist bei starken Preisschwankungen auch mit einer starken Schwankung der Bieterpreise zu rechnen.

Verzichten Auftraggeber auf entsprechende Klauseln zur Anpassung an Preissteigerungen sind folgende Szenarien denkbar:

  • Ausschreibungen werden zurückgezogen, weil das Submissionsergebnis nicht zur Kostenschätzung passt. Dies kann Gründe auf beiden Seiten haben,.
  • Bieter nehmen einen erhöhten Risikozuschlag in Angebote auf, um sich für weitere mögliche Preissteigerungen zu wappnen.
  • Es werden keine Angebote eingereicht.
  • Unternehmen reichen Angebote ein, sind aber aufgrund von unwirtschaftlicher Kalkulation nicht mehr in der Lage, Aufträge auszuführen.
  • Insolvenz von Unternehmen und damit fehlende Dienstleister für künftige Ausschreibungen

 

(ohne Gewähr)

Stoffpreisgleitklauseln im Bau - Grundlegende Informationen (28.03.22)

Ausschreibende Stellen können in Vergabeunterlagen eine Stoffpreisgleitklausel mit aufnehmen, um in Fall starker Preisschwankungen eine angemessene Kalkulation von Angeboten zu ermöglichen. Hierfür steht das Formblatt 225 zur Verfügung, das im Vergabe- und Vertragshandbuch für die Baumaßnahmen des Bundes enthalten ist.

Bis Ende Juni 2022 hat die Bundesregierung eine Praxisempfehlung herausgegeben, nach der bei öffentlichen Bau- und Verkehrsaufträgen des Bundes Preisgleitklauseln bei Verträgen möglich sein sollen. Auch nachträgliche Preisanpassungen sollen möglich sein. Die Praxisempfehlung finden Sie unten im Downloadbereich.

Die jeweils verwendeten Materialien werden beim Vertrag dort aufgelistet und mit GP-Nummern aus dem Güterverzeichnis Produktionsstatistiken gekennzeichnet. Die Preisindizes für die Produkte werden monatlich durch das statistische Bundesamt (Destatis) bekanntgegeben.

Der aktuelle Erzeugerpreisindex wird am 21. eines jeden Monats vom Statistischen Bundesamt (Destatis) herausgegeben.

Material zum Herunterladen

Formblatt Stoffpreisgleitklausel zum Herunterladen

formblatt225.pdf (133,6 KiB)

Erlass: Lieferengpässe und Preissteigerungen wichtiger Baumaterialien

baustoffpreissteigerung-erlass.pdf (382,3 KiB)