Fragen und Antworten zur Kanalsanierung

Nur wenige Menschen außerhalb unserer Branche haben einen Einblick in das, was tagtäglich in Deutschland und in vielen anderen Ländern unter unseren Straßen passiert: Schadhafte Abwasserleitungen und Kanäle werden quasi "minimalinvasiv" mit einem neuen Innenrohr aus hochfestem Kunststoff versehen - vom Schacht aus, ohne zu baggern. Diese Form der grabenlosen Kanalsanierung hat sich als wirtschaftliche Möglichkeit der Instandhaltung von Kanalnätzen durchgesetzt. Sie wird auch als "geschlossene Bauweise" bezeichnet.

Was versteht man unter "geschlossener Bauweise"?

Im Gegensatz zur "offenen Bauweise", in der Rohre in einer gebaggerten Baugrube verlegt werden, werden in der "geschlossenen Bauweise" neue Rohre unterirdisch eingesetzt, ohne das Erdreich oder Straßen aufzugraben. Beim so genannten "Schlauchlining" - oft als Inliner-Verfahren bezeichnet - entsteht ein neues Rohr im Rohr sogar erst unter der Erde.

Wie funktioniert das "Inliner-Verfahren" bzw. "Schlauchlining"?

Es ist vergleichbar mit einem Stent, der bei Herz-Operationen eingesetzt wird. Ein mit flüssigem Spezialharz getränkter Gewebeschlauch wird unterirdisch in das Altrohr gezogen - mit einer Seilwinde, von einem Schacht zum anderen. Im Anschluss wird er mit Druckluft aufgestellt und an die Rohrwand gepresst. Mit UV-Licht, Warmwasser oder heißem Dampf wird das flüssige Harz zu einem festen Kunststoff ausgehärtet.

Wie schnell geht eine Sanierung?

Je nach Rahmenbedingungen können grabenlose Sanierungsverfahren bereits nach etwa einem Tag abgeschlossen sein. Damit sind sie iedeal für akute Baumaßnahmen, bei denen oberiridisch Straßen, Fußbgängerzonen oder Parks geschont werden sollen.

Müssen Straßen gesperrt werden?

In der Regel kommt es bei Sanierungsmaßnahmen nur zu kurzzeitigen Sperrungen von Straßenabschnitten. Auch die eingeschränkte Zufahrten zu Grundstücken und kurzzeitige Halteverbote sind üblich, da die Sanierungsfahrzeuge direkt an die Schachtdeckel heranfahren, um den Schlauch einuführen.

Warum kann es zu Geruchsbelästigung kommen?

Bei der Härtungsreaktion entsteht bei diesem Entstehungsprozess unter der Erde eine gasförmige Verbindung, das sogenannte Styrol. Es ist unschädlich und verfliegt nach kurzer Zeit - ein Beleg dafür, dass die Reaktion stattfindet und die Härtung erfolgreich war.

Wie nachhaltig ist Kanalsanierung?

Bei den in der Sanierung verwendeten Harzen handelt es sich um chlorfreie (nicht halogenierte) Kohlenwasserstoffverbindungen. Bei vollständiger Aushärtung gehen sie keine Reaktionen mit der Umwelt ein, was standardmäßig bei Sanierungsprojekten durch Laborproben überprüft wird. Die hohen erwartete Nutzungsdauer lässt zudem  zudem die Recyclingfrage in den Hintergrund treten. Schlauchliner sindunproblematisch thermisch recyclebar. Der Brennwert der verwendeten Harze entspricht.

Wie lange hält ein saniertes Rohr?

Moderne Sanierugnstechniken werden üblicherweise über 50 Jahre abgeschrieben. Die erwartete technische Nutzungsdauer liegt deutlich darüber. Darauf deuten Langzeit-Belastungstests im Labor hin.

 

 

... und der Verkehr rollt weiter!

Interessante Videos

Bilder sagen mehr als Worte! Unzählige Videos von Unternehmen zeigen, wie Kanalsanierung funktioniert. Wir haben an dieser Stelle in paar herausgesucht, die einen schnellen Einblick geben. 

Kanalsanierung in Rastatt mit der Inliner-Methode 

Kanalsanierung in der schematischen Darstellung (Quelle: Trelleborg)

Sanierung innerhalb von Gebäuden (Quelle: Brawoliner)

Erklärfilm zur Kanalsanierung (Quelle: Brandenburger)

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Warum werden Kanäle saniert?

Wurzeleinwuchs, Undichtheiten, statisches Versagen: Kanalrohrsysteme in Deutschland kommen zunehmend in die Jahre. 

Nur selten wird der kritische Zustand auch über der Erde spürbar – nämlich dann, wenn defekte Leitungen nach heftigen Regengüssen zu Überschwemmungen, Unterspülungen und oberirdischen Einbrüchen führen. Die Folgen für Umwelt und Verkehrssicherheit sind also unübersehbar:

  • Defekte Kanalrohre verursachen Schäden im Straßenbelag und gefährden so die Verkehrssicherheit.
  • Undichte Leitungssysteme können erhebliche umweltrelevante Schäden im Erdreich anrichten. Tritt Abwasser aus defekten Leitungen aus (Exfiltration), droht die Verunreinigung des Grundwassers.
  • Auch Infiltrationen aus dem Erdreich haben Konsequenzen. Durch den Eintrag von Grund- und Schichtenwasser in Rohrleitungssysteme wird die Gesamt-Abwassermenge erhöht. Durch verdünnte Abwässer sinkt außerdem der Reinigungswirkungsgrad von Kläranlagen. Es entstehen zusätzliche Kosten für die Allgemeinheit.

In vielen deutschen Städten und Kommunen arbeiten Verantwortliche dem Sanierungsstau erfolgreich entgegen. Denn bereits seit rund einem halben Jahrhundert gibt es clevere Methoden, quasi minimalinvasiv Rohre und Schächte zu sanieren, ohne dabei die oberirdische Infrastruktur zu belasten.

Netzbetreiber in allen Teilen der Republik zählen dabei auf das langjährige Know-how unserer Mitgliedsunternehmen. 

Informationen zum Nachschlagen

In der folgenden Broschüre haben wir Informationen über die Kanalsanierung zusammengestellt.