Abwasserleitungen

Unser Abwasserleitungsnetz in Deutschland gilt als vorbildlich. Das Statistische Bundesamt gibt für Deutschland einen Anschlussgrad an die öffentliche Kanalisation von 97,1 % an. Allerdings kommt das Netz in die Jahre. Rund 18 Prozent der Abwasserkanäle sind nach aktuellen Befragungen unter Netzbetreibern kurz- oder mittelfristig sanierungsbedürftig.

Netzbetreibern in Städten und Kommunen  stehen eine Reihe von Verfahren zur Verfügung. Seit vielen Jahren haben sich grabenlose Technologien gegenüber dem grabenden Austausch von Leitungen durchgesetzt. Sie sind in der Regel deutlich kostengünstiger und minimieren den Eingriff in den oberirdischen Verkehr.

Dabei muss unterschieden werden zwischen folgenden drei Verfahrensgruppen:

Renovierung: Hierbei wird ein schadhafter Rohrabschnitt wieder funktionsfähig gemacht, in dem ein neues Rohr in das Altrohr installiert wird.

Reparatur: Vielfach handelt es sich bei den Schäden im Rohr um lokale oder punktuelle Schäden, zum Beispiel an Stutzen. Hierfür stehen eine Reihe von Verfahren zur Verfügung, bei denen die Schadstelle vom Schacht aus per Roboter erreicht wird.

Erneuerung: Ist das Altrohr zu stark geschädigt, kommt nur noch der Austausch der Leitung in Frage. Neben dem Aufgraben des Erdreichs gibt es eine Reihe von Verfahren, die den Austausch vom Schacht aus oder über eine Baugrube ermöglichen.

 

Fragen und Antworten zur Kanalsanierung im öffentlichen Raum

Was versteht man unter Kanalsanierung?

Wenn in Städten und Gemeinden eine Kanalsanierung angekündigt wird, ist damit in der Regel die Erneuerung oder Renovierung von Abwasserkanälen gemeint. Entweder geschieht dies durch das Neuverlegen von Rohren - inklusive  Aufbaggern der darüber befindlichen Oberflächen bzw. Straßen - oder durch moderne, grabenlose Renovierungsverfahren.

Die gängigste Sanierungsmethode in Deutschland ist das Schlauchlining. In der englischen Sprache wird es als CIPP bezeichnet. Die Abkürzung steht für cured in place pipe, also vor Ort härtendes Rohr. Das beschreibt sehr gut den Produktionsprozess unter der Erde: Ein mit flüssigem Harz getränkter Schlauch aus Glas- oder Synthesefasern wird in die beschädigte Leitung eingezogen, aufgestellt und anschließend zum Beispiel mit UV-Licht gehärtet. Innerhalb weniger Stunden ist auf diese Weise ein neues, tragfähiges Rohr entstanden. Das Verfahren wurde erstmals im Jahr 1971 in London angewendet und gehört in Deutschland seit Jahrzehnten zu den gängigen Methoden.

Was ist das Inlinerverfahren oder die Inlinersanierung?

Als Inliner werden Schuhe mit Rollen bezeichnet, mit denen sich Menschen fortbewegen. Und wer vom geplanten Weg abkommt, verfährt sich schon mal. Scherz beiseite: Der Begriff wird häufig - eigentlich nicht korrekt - synonym für grabenlose Renovierungsmethoden verwendet.

Wie lange hält ein saniertes Rohr?

Moderne Sanierugnstechniken werden üblicherweise über 50 Jahre abgeschrieben. Die erwartete technische Nutzungsdauer liegt deutlich darüber. Darauf deuten Langzeit-Belastungstests im Labor hin.

Letzte Aktualisierung: 26.11.2020

Wie groß ist das Kanalnetz deutschlandweit?

Laut Daten des Statistischen Bundesamts beträgt die Gesamtlänge öffentlicher Kanalisation in Deutschland 594.334 Kilometer (Stand 2016). Damit sind 97 Prozent der Bevölkerung an die öffentliche Abwasserkanalisation abgeschlossen (Quelle: Statistisches Bundesamt).

Seit 1995 ist die Kanalisation um 195.132 Kilometer gewachsen. Dies entspricht einem jährlichen Kanalwachstum von 9.200 Kilometern (Quelle: DWA).

Letzte Aktualisierung: 26.11.2020

Wie alt ist das Kanalnetz in Deutschland?

Repräsentative Umfragen des DWA und Hochrechnungen des Sta­tistischen Bundesamts ergeben: Die Kanalisation in Deutschland ist durchschnittlich 36,9 Jahre alt.

Spannend: Bei Kommunen mit weniger als 50.000 Einwohnern ist der Großteil der Kanäle unter 50 Jahre alt. Vor allem Großstädte mit mehr als 250.000 Einwohnern verfügen über ältere – teilweise mehr als 100 Jahre alte – Kanäle.

(Quelle: DWA)

Letzte Aktualisierung: 26.11.2020

Was muss passieren, damit das deutsche Kanalnetz für künftige Generationen fit ist?

Laut einer Umfrage der DWA muss der finanzielle Aufwand für Kanalsanierung und Instandhaltung erhöht werden, um langfristig den Zustand des Kanalnetzes in Deutschland zu verbessern. (Quelle: DWA).

Letzte Aktualisierung: 26.11.2020

In welchem Zustand sind die Kanäle in Deutschland?

Eine aktuelle, repräsentative DWA-Umfrage zeigt, dass sich mehr mehr als ein Viertel (27 Prozent) des deutschen Kanalnetzes in einem sehr guten Zustand befindet. Gleichzeitig sind 18 Prozent der Kanäle sanierungsbedürftig. Im Vergleich zur letzten Umfrage vor fünf Jahren hat sich die Statistik nur um einen Prozentpunkt nach oben bewegt. (Quelle: DWA)

Letzte Aktualisierung: 26.11.2020

Warum müssen Kanäle saniert werden?

Wurzeleinwuchs, Undichtheiten, statisches Versagen: Kanalrohrsysteme in Deutschland kommen zunehmend in die Jahre.

Nur selten wird der kritische Zustand auch über der Erde spürbar – nämlich dann, wenn defekte Leitungen nach heftigen Regengüssen zu Überschwemmungen, Unterspülungen und oberirdischen Einbrüchen führen. Die Folgen für Umwelt und Verkehrssicherheit sind also unübersehbar:

  • Defekte Kanalrohre verursachen Schäden im Straßenbelag und gefährden so die Verkehrssicherheit.
  • Undichte Leitungssysteme können erhebliche umweltrelevante Schäden im Erdreich anrichten. Tritt Abwasser aus defekten Leitungen aus (Exfiltration), droht die Verunreinigung des Grundwassers.
  • Auch Infiltrationen aus dem Erdreich haben Konsequenzen. Durch den Eintrag von Grund- und Schichtenwasser in Rohrleitungssysteme wird die Gesamt-Abwassermenge erhöht. Durch verdünnte Abwässer sinkt außerdem der Reinigungswirkungsgrad von Kläranlagen. Es entstehen zusätzliche Kosten für die Allgemeinheit.

In vielen deutschen Städten und Kommunen arbeiten Verantwortliche dem Sanierungsstau erfolgreich entgegen. Denn bereits seit rund einem halben Jahrhundert gibt es clevere Methoden, quasi minimalinvasiv Rohre und Schächte zu sanieren, ohne dabei die oberirdische Infrastruktur zu belasten.

Netzbetreiber in allen Teilen der Republik zählen dabei auf das langjährige Know-how der Mitgliedsunternehmen.

Was sind die häufigsten Kanalschäden?

Die DWA unterscheidet zwischen strukturellen und betrieblichen Schäden an Abwasserkanälen:

Was ist der häufigste Schaden nach baulicher Struktur?

  1. "Einragender oder schadhafter Anschluss" (27,3 Prozent)
  2. "Rissbildung" (25,7 Prozent)
  3. "Verbindung (verschobene oder einragende Dichtung)" (18,6 Prozent)
  4. "Oberflächenschäden" (13,1 Prozent)
  5. "Rohrbruch/Einsturz" (4,3 Prozent)

Was ist der häufigste Schaden nach betrieblicher Struktur?

  1. "Wurzeln" (33,7 Prozent)
  2. "Anhaftende Stoffe" (20,5 Prozent)
  3. "Infiltration" (17,7 Prozent)
  4. "Ablagerungen" (16,6 Prozent)
  5. "Andere Hindernisse" (5,5 Prozent)

(Quelle: DWA)

Letzte Aktualisierung: 26.11.2020

Wie viele Kanäle werden jährlich in Deutschland saniert?

Laut Angaben des DWA saniert die deutsche Abwasserwirtschaft jährlich rund ein Prozent des öffentlichen Kanalnetzes. Dies entspricht einer Gesamtlänge von knapp 6000 Kilometern. Etwa die Hälfte der Kanäle werden repariert - also schadhafte Stellen lokal ausgebessert. Dies geschieht über moderne Reparaturverfahren, oftmals per Roboter vom Schacht aus. Jeder zweite Kanalmeter wird renoviert - am häufigsten kommen hierbei grabenlose Technologien wie das Schlauchlining zum Einsatz. Ist das Kanalrohr zu stark geschädigt, kommen grabenlose Erneuerungsverfahren (z. B. TIP-Verfahren oder Berstlining) zum Einsatz.

Welche Sanierungsverfahren kommen in Deutschland am häufigsten zum Einsatz?

Daten des DWA zufolge erfolgt rund die Hälfte der Kanalsanierung über Reparaturverfahren (51 Prozent). An zweiter und dritter Stelle stehen Renovierungen (25 Prozent) und Erneuerungen (24 Prozent).

Im Zuge der Renovierungen kommt das Schlauchliningverfahren am häufigsten zum Einsatz.

(Quelle: DWA)

Letzte Aktualisierung: 26.11.2020

Wie schnell geht eine grabenlose Sanierung?

Je nach Rahmenbedingungen können grabenlose Sanierungsverfahren bereits nach etwa einem Tag abgeschlossen sein. Damit sind sie iedeal für akute Baumaßnahmen, bei denen oberiridisch Straßen, Fußbgängerzonen oder Parks geschont werden sollen.

Müssen Straßen gesperrt werden?

In der Regel kommt es bei Sanierungsmaßnahmen nur zu kurzzeitigen Sperrungen von Straßenabschnitten. Auch die eingeschränkte Zufahrten zu Grundstücken und kurzzeitige Halteverbote sind üblich, da die Sanierungsfahrzeuge direkt an die Schachtdeckel heranfahren, um das neue Rohr oder zum Beispiel den harzgetränkten Schlauch einzuführen.

Wie nachhaltig ist Kanalsanierung?

Die Sanierung von Abwasserleitungen ist ein wichtiger Baustein des Umwelt- und Gewässerschutzes.  Intakte Kanäle verhindern zum Einen die Exfiltration von Abwasser ins Erdreich. Was viele nicht wissen: Das Hauptproblem ist eigentlich die Infiltration. Schichten- und Grundwasser fließt in den Kanal, verdünnt das Abwasser und muss in der Kläranlage gereinigt werden. Verdünnte Abwässer haben einen schlechten Reinigungswirkungsgrad und benötigen mehr Energie.

Vielfach wird bei der Sanierung von Leitungen Kunststoff eingesetzt. Dieser zeichnet sich häufig durch eine längere Haltbarkeit aus, was letztlich die Nutzungsdauer erhöht und die Frequenz der Eingriffe ins Erdreich verringert.

Eine gewisse Skepsis wird zuweilen dem Schlauchlining entgegengebracht. Bei dieser Technologie entsteht unter der Erde ein neues Rohr im Altrohr. Bei den verwendeten Harzen handelt es sich um chlorfreie (nicht halogenierte) Kohlenwasserstoffverbindungen. Bei vollständiger Aushärtung gehen sie keine Reaktionen mit der Umwelt ein, was standardmäßig bei Sanierungsprojekten durch Laborproben überprüft wird. Die hohe erwartete Nutzungsdauer lässt zudem zudem die Recyclingfrage in den Hintergrund treten. Schlauchliner sind unproblematisch thermisch recyclebar.

Wieviel kostet die Kanalsanierung?

Der DWA vergleicht die Kosten für die jeweiligen Verfahren:

  • Reparatur aktuell durchschnittlich 82 € pro Kanalmeter
  • Renovierung durchschnittlich mit 438 € pro Kanalmeter
  • Erneuerung mit rund 1600 € pro Kanalmeter

(Quelle: DWA)

Letzte Aktualisierung: 26.11.2020

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