Trinkwasserleitungen

Aktuelle Perspektiven für die Netzunterhaltung

Produkte der Rohrleitungssanierung gewinnen immer mehr an Bedeutung, da die bestehenden Trinkwassernetze einen zunehmenden Sanierungsbedarf haben. Trinkwasserzugelassene Schlauchlinersysteme werden bereits seit einigen Jahren in der Praxis eingesetzt, die normativen Grundlagen lassen jedoch Fragen offen.

Um Auftraggebern und Ingenieurbüros Sicherheit bei der Planung, Ausschreibung und Bewertung von Systemen zu geben, erarbeitet der RSV erstmals ein entsprechendes Merkblatt. Welche Chancen liegen in der Sanierung von Trinkwasserleitungen? Welche Systeme gibt es? Welche regulativen Rahmenbedingungen bestehen? Dies wird aktuell im Arbeitskreis 1.3 Trinkwassersanierung besprochen.

Stand der Dinge: RSV-Merkblatt 1.3

An diesem Merkblatt wird zurzeit gearbeitet. Im Laufe des ersten Halbjahres ist eine Veröffentlichung geplant.

An wen richtet sich das Merkblatt?

An Auftraggeber für die Sanierung von Druckrohrleitungen, aber auch an Ingenieurbüros und ausführende Unternehmen sowie Hersteller. Sie erhalten für diesen speziellen Anwendungsfall eine Orientierung von der Planung über die Ausschreibung bis zu Einbau und Qualitätssicherung.

Die Mitglieder des Arbeitskreises 1.3 Trinkwasserleitungen

  • Kathleen Böhmig, Mauerspecht
  • Wendelin Böhne, Brandenburger Liner
  • Hannes Bunn, Hamburg Wasser
  • Kai Burcek, MC-Bauchemie
  • Delia Ewert, Hamburg Wasser
  • Johann Galinsky, Mauerspecht
  • Gerd Grasnick, Karl Weiss
  • Andreas Haacker, Siebert+Knipschild
  • Alexander Herlitzius, PSM Rohrsanierung
  • Robert Hochstaffl, RELINE APTEC
  • Andreas Koch, Hygiene-Institut
  • Mark Kopietz, SBKS
  • Susanne Leddig-Bahls, IQS Engineering
  • Hans Werner Maus, Maus Kommunal- und Industrieservice
  • Sven Meßmann, MC Bauchemie
  • Timo Münstermann, SAERTEX mulitCom
  • Damian Pleschka, Hygiene-Institut
  • Lars Quernheim, BKP Berolina
  • Janine Riechelmann, Hygiene-Institut
  • Jörg Sebastian, SBKS
  • Anne Steinberg, Hamburg Wasser
  • Jens Wahr, Diringer & Scheidel
  • Anika Wittwer, IRS Sachsen
  • Jürgen Zinnecker, Aarsleff Rohrsanierung
  • Volker Galinsky, Mauerspecht
  • Steffen Hommel, IRS mbH Sachsen
  • Firmino Barbosa, RELINE APTEC

Aktuelle News zum Thema Trinkwasserleitungen

EU plant strenge Regeln für Trinkwasserleitungen (22.12.2020)

Die EU-Richtlinie, die in der Union die Trinkwasserqualität regelt, ist erst 2015 umfassend geändert worden. Unzureichend, nicht einheitlich umgesetzt, ohne geeignete Überwachung - aus diesen Gründen soll sie nun angefasst werden.

"Mit den neuen Vorschriften werden die Qualitätsstandards für Trinkwasser auf den neuesten Stand gebracht", teilt der Rat der Europäischen Union in einem überarbeiteten Dossier mit, das jetzt veröffentlicht wurde. Für die Sanierungstechnologien dürfte folgender Passus interessant sein: "Der Rat hat außerdem Hygieneanforderungen für Materialien aufgenommen, die mit Trinkwasser in Berührung kommen, wie etwa Leitungen. Dadurch soll die Qualität solcher Materialien verbessert werden, um die menschliche Gesundheit zu schützen und Verunreinigungen vorzubeugen."

Es sei bei der bisherigen Trinkwasserrichtlinie nicht gelungen, unionsweit einheitliche Hygieneanforderungen für Produkte zu schaffen, die mit Wasser für den menschlichen Gebrauch in Berührung kommen, heißt es weiter. "Dies macht es für die Hersteller schwierig und kostspielig, ihre Produkte in der gesamten Union zu vermarkten." Künftig soll es harmonisierte Mindestanforderungen für Materialien und Werkstoffe geben sowie einen EU-weiten Marktüberwachungsmechanismus.

Beim Rat der Europäischen Union handelt es sich um die Fachminister der einzelnen Mitgliedstaaten. Deutschland wird vertreten durch Umweltministerin Svenja Schulze.

Der nun vorgelegte Standpunkt des Ministerrates soll im nächsten Schritt durch das Europäische Parlament abgesegnet werden. Von einer Zustimmung sind die Minister überzeugt, da es sich bereits um die zweite Lesung handelt, in die bereits Korrekturen eingeflossen sind.Hier geht es zum Wortlaut der Stellungnahme.

Anders als EU-Verordnungen sind EU-Richtlinien sind keine unmittelbar wirkenden Gesetze. Sie müssen aber in der Regel innerhalb von zwei Jahren nach ihrer Verkündung durch die einzelnen Mitgliedstaaten umgesetzt werden. In Deutschland regelt die Trinkwasserverordnung (TrinkwV) die Qualitätsanforderungen rund um das Trinkwasser. Davon ausgehend bildet die KTW-Leitlinie - zuletzt in diesem Sommer aktualisiert - die Bewertungsgrundlage für Materialien.

Zur Pressemitteilung des Europäischen Rates und zu allen relevanten Dokumenten gelangen Sie hier.

Trinkwasserleitungen sanieren? RSV ruft Versorger auf (13.11.2020)

Das Trinkwasserleitungsnetz in Deutschland kommt in die Jahre – entsprechend hoch ist das Interesse am Thema Sanierung von unterirdischen Versorgungsleitungen. Der RSV erarbeitet derzeit ein Merkblatt und lädt Wasserversorger – quasi "im Endspurt" – ein, sich aktiv zu beteiligen. Was Verantwortliche tun sollten, um die Sanierungschancen ihrer Leitungen für die Zukunft zu verbessern, verrät der Arbeitskreis schon jetzt.

In einer kurzen Online-Umfrage werden Netzbetreiber bis zum 18. Dezember gebeten, ihre aktuelle Sichtweise sowie ihren Bedarf zum Thema Trinkwasserleitungs-Sanierung wiederzugeben und Fragen zu stellen. "Wir freuen uns natürlich auch über eine persönliche Präsenz bei einer unserer Arbeitskreissitzungen", sagt Dr. Susanne Leddig-Bahls, Obfrau des RSV Arbeitskreises 1.3.

"Goldstaub" für künftige Sanierungen

"Viele wissen gar nicht, dass jeder Blick in ihr Leitungssystem wie Goldstaub sein kann", erklärt Susanne Leddig-Bahls. Anders als bei Abwasserfreispiegelleitungen stehen im Trinkwasserbereich keine obligatorischen Schächte für regelmäßige Inspektionen zur Verfügung. "Umso wichtiger ist es, wenn Sie bei einer Reparatur oder einer Aufgrabung zu Wartungszwecken die Gelegenheit nutzen, möglichst viele Daten zu sammeln und eine Zustandserfassung vorzunehmen", erklärt Leddig-Bahls. So sind allein die Informationen über das vorhandene Material, die Wanddicke, der genaue Rohrdurchmesser und Zustand sowie das umgebende Erdreich wichtige Hinweise für die künftige Sanierungsplanung. "Das alles sind wertvolle Bausteine für die künftige Substanzwerterhaltung", fasst Leddig-Bahls zusammen.

Hilfestellung für Versorgungsunternehmen

Der RSV Arbeitskreis tagt seit März dieses Jahres regelmäßig, um in einem Merkblatt die am Markt befindlichen Sanierungssysteme zu beschreiben und Anforderungen zu definieren. Das Blatt soll Netzbetreibern und Ingenieurbüros Hilfestellung bei ihrer Sanierungsplanung geben – eine Veröffentlichung ist im Frühjahr 2021 geplant. Neben den Mitgliedsunternehmen des RSV sind schon jetzt einzelne Vertreter von Wasserversorgern, Prüflaboratorien und Trinkwasser-Experten mit im Arbeitskreis, wie etwa das Gelsenkirchener Hygieneinstitut.

"Der Einsatz von vor Ort härtenden Schlauchliningverfahren zur Rohrleitungssanierung hat sich seit Jahrzehnten in der Praxis bewährt. Die Anwendung im Trinkwasserbereich stellt hier ganz besondere Anforderungen. Als RSV gehen wir insbesondere auf die Fragestellungen der Betreiber, Planer und Anwender ein", erklärt RSV-Vorstandsvorsitzender Andreas Haacker. Als Geschäftsführer des Prüflabors Siebert + Knipschild ist er ebenfalls Mitglied im Arbeitskreis.

Etablierung grabenloser Sanierung

Haacker freut sich über bereits weit fortgeschrittene Arbeit des Expertengremiums, aber auch über die rege Beteiligung seitens der Unternehmen und der Wasserversorger. "Wir denken, dass wir mit unseren Erfahrungen dazu beitragen können, die grabenlose Sanierung von Trinkwasserleitungen in Deutschland zu etablieren". Dass der Bedarf vorhanden ist, sei keine Frage: "Wir haben es in Deutschland mit zunehmend alternden Versorgungsleitungen zu tun - es entwickelt sich ein steigender Sanierungsbedarf. Die Sanierungssysteme sind heute technologisch in der Lage, die Wasserversorgung auch in der Zukunft sicherzustellen – und zwar wirtschaftlich", so Haacker.

Die Trinkwasserleitungssanierung trägt dazu bei, Wasserverluste in Versorgungsnetzen zu reduzieren, was insbesondere zu Zeiten des Klimawandels und der damit verbundenen Wasserknappheit immer mehr im Fokus steht.

Hier geht es zur Umfrage.