Pressemitteilungen RSV-Experten erklären: So werden Schlauchliner entsorgt

Lassen sich Schlauchlining-Rohre ausbauen, ohne die Substanz zu schädigen? Experten des RSV geben Antworten

"Die Frage kommt im Zusammenhang mit der Nachhaltigkeitsbewertung immer häufiger. Die Antwort auf die beiden Fragen ist einfacher als man es erwarten würde", sagt Prof. Dr. Jens Ridzewski von der IMA Materialforschung und Anwendungstechnik GmbH. Während es beim Ausbau von Linern – je nach Rahmenbedingungen – sogar eine Reihe verschiedene Methoden gibt, kommt nach Einschätzung des Experten für die Entsorgung nur eine ideale Endstation für Schlauchliner in Frage: Der  Hausmüll: "Das thermische Recycling in der Müllverbrennungsanlage bzw. im Müllheizkraftwerk ist die ideale Lösung - sie ist gesundheitlich unbedenklich sowie ökonomisch und ökologisch vernünftig."

Die nachhaltige Produktion und eine Wirtschaft, die Ressourcen lediglich nutzt, anstatt sie zu verbrauchen – die Kreislaufwirtschaft ist Bestandteil der 17 weltweiten Klimaziele, den "Sustainable Development Goals".

Insbesondere Kunststoffe kommen in diesem Zusammenhang immer wieder in die Diskussion, auch aus der Richtung der Betreiber öffentlicher Kanäle. Ridzewski: "Es gibt noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten, denn wichtig ist der Blick auf die Bestandteile des Schlauchliners wie Harz und Glas. Das Harz ist sehr gut thermisch verwertbar – mit einem hohen Wirkungsgrad." Der hohe Brennwert wirke wie eine Zufeuerung, die wegen des nassen Hausmülls üblicherweise erfolgen muss. "Dies wirkt wie eine zusätzliche Energiequelle für die Verbrennung." Glas werde heute bei der Verbrennung des Hausmülls in den üblichen Drehrohr-Verbrennungsanlagen ohnehin zugegeben, ergänzt RSV-Vorsitzender Andreas Haacker, Geschäftsführer des Prüfinstituts Siebert + Knipschild.

Der Wunsch nach einem stofflichen Recycling von GFK-Schlauchlinern ist nach Ansicht des Werkstoffexperten Ridzewski allerdings nicht erfüllbar: "Das Material, das dabei herauskommt, ist von der Qualität her nicht für den Einsatz als neuer Rohrwerkstoff geeignet. Zermahlene GFK-Liner können aber als Füllstoff für Baumörtel verwendet werden – die Energie, die man dafür aufwendet, steht aber derzeit nicht in einem angemessenen Verhältnis zum Ergebnis."

Links: Entfernen von Schlauchinlinern ohne Substanzbeschädigung, rechts: Reste von ausgebauten Schlauchlinern. Fotos: Mauerspecht GmbH

Das ist in Sachen Gesundheitsschutz zu beachten

Maßgeblich für die Verarbeitung von Materialien ist die Technische Regel für Gefahrstofffe 905 (Stand: September 2021), die die Anforderungen der Gefahrstoffverordnung konkretisiert (Quelle). Bei der Bearbeitung bzw. beim Zuschnitt sowie beim Zerkleinern entstehen Fasern oder Bruchstücke. In der VDI-Richtlinie 3469 „Emissionsminderung - Herstellung und Verarbeitung von faserhaltigen Materialien - Faserförmige Stäube“ werden Faserstäube, faserförmige Stäube sowie emissionsrelevante Fasern definiert. "Die Fasern aufgrund ihrer Länge nicht lungengänig, deshalb werden sie als unkritisch angesehen". Die Begründung für die Bewertung der jeweiligen Stoffe wird auf der Website der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin gegeben.

Wohin mit den Resten von Linern?

Ab in den Restmüll – so lautet verkürzt die Regelung gemäß europäischer Abfallverordnung.

Seit 2001 regelt in der EU die Abfallverzeichnis-Verordnung (AVV) die genaue Bezeichnung von Abfällen sowie deren Einstufung hinsichtlich Gefährdung. Jeder Abfallart wird zur genauen Bestimmung aus Basis der AVV eine sechsstellige Abfallschlüsselnummer (ASN) zugewiesen. Für trockene (unimprägnierte) Glasfasern gibt es die ASN 10 11 03 – ansonsten gibt es keine explizit zugeordneten ASN für Composite-Abfälle

Reste des Liners können in ausgehärtetem Zustand dem Restmüll zugeführt werden und müssen nicht kostenaufwändig als Sondermüll entsorgt werden. (Abfallschlüsselnummer: 120105, Alternative aus der Windenergie: ASN 17 02 03; Kunststoffabfälle aus Bau- und Abbrucharbeiten).

Wie steht es um den ökologischen Fußabdruck?

Mit einem öffentlich zugänglichen Berechnungstool für die Produktion hat Ridzewski für VE-Liner und UP-Liner den CO2-Ausstoß ermittelt. Angenommen wurde ein Faservolumengehalt bei Vinylester-Liner mit 55 Prozent und von UP-Harz-Linern mit 58 Prozent. Das Ergebnis: Bei der Produktion wird pro Tonne gehärteter Schlauchliner bei VE knapp 3000 Kilogramm CO2 ausgestoßen, bei GFK-Linern rund 2500 Kilogramm. "Das klingt erst einmal viel, vor allem wenn man bedenkt, dass eine Tonne Betonrohr nur rund 1000 Kilogramm erzeugt", räumt Professor Ridzewski ein. "Eine Tonne GFK-Schlauchliner-Rohr ist aber aufgrund der geringeren Wanddicken deutlich länger – das sollte man unbedingt mit berücksichtigen".

Mit in die Berechnung sollten laut Ridzewski auch Fragen der Nutzungsdauer einfließen. "Liner sind heute im Allgemeinen für 50 Jahre ausgelegt. Wir wissen aber inzwischen, dass sie viel länger halten können – bis zu 100 Jahre. Das sollte man als Netzbetreiber berücksichtigen".

Weitere Informationen sind auf der Themenseite Nachhaltigkeit zusammengefasst.

Dienstleister im RSV zur Entfernung von Linern

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