RSV-News „Mehr als nur die Summe aus zwei Teilen“

Die Vorsitzenden von GSTT und RSV beantworten Fragen zur geplanten Fusion

Interview mit Prof. Jens Hölterhoff, Andreas Haacker (Vorstandsvorsitzende von GSTT und RSV)

Zum 1. Januar 2023 werden GSTT und RSV zu einem gemeinsamen Verband fusionieren – so lautet der aktuelle Plan der beiden Verbände. Noch in diesem Jahr sollen die Mitglieder einen entsprechenden Vertrag per Mitgliederversammlung beschließen. Die beiden Vorsitzenden Andreas Haacker und Professor Jens Hölterhoff antworten an dieser Stelle auf fünf Fragen.

 

1. Aus zwei Verbänden wird einer - wer übernimmt eigentlich wen?

Hölterhoff: Wir werden zu einem neuen Verband verschmelzen und antworten auf diese Frage aus voller Überzeugung: Es ist eine Fusion auf Augenhöhe. Auch wenn wir zwei unterschiedliche Historien haben – im Mittelpunkt unserer Arbeit steht das Mitglied, das vom Verband profitiert – egal wo es bisher verortet war. Wir nutzen die Chance, die Zukunft mit einer neuen Organisation zu gestalten. So können wir am Ende des Prozesses deutlich mehr sein als nur die Summe aus zwei Teilen.

Haacker: Diese Gleichberechtigung spiegelt sich auch in der Vorgehensweise wieder, die wir für den Übergang planen: Bis zur ersten gemeinsamen Mitgliederversammlung wird zunächst ein Interimsvorstand aus beiden Verbänden vorgeschlagen - je drei Personen aus jedem Verband. Im Jahr 2023 haben die Mitglieder dann die Gelegenheit, über die personelle Besetzung den weiteren Kurs zu bestimmen.



2. Was haben die Mitglieder konkret von dem Zusammenschluss?

Haacker: Jeder Partner bringt Stärken und Potenziale mit. Das klingt nach einer Worthülse, ganz praktisch bedeutet das mehr Effizienz. Viele Dinge, die bisher an zwei Stellen parallel erledigt wurden, fügen wir nun an einer Stelle zusammen - zum Beispiel die Pflege der Internetseite, die Koordination von Arbeitskreisen und das Verwalten von Mitgliedern. Gemeinsam bieten wir ein riesiges Spektrum: Interessenvertretung, Aufmerksamkeit für neue Technologien, Lobbyarbeit, Geschäftsanbahnungen, Regelwerksarbeit, Weiterentwicklung der Fachkräfteausbildung und vieles mehr. Hinzu kommen aktuelle Bedürfnisse - wie etwa das Netzwerken während der Corona-Zeit oder juristische Beratungen zu Vergaberecht in Zeiten von Preissteigerungen.

Hölterhoff: Dem kann ich nur zustimmen. Konkret kann man auch sagen: Die Vorteile, die die GSTT bisher ihren Mitgliedern auf internationaler Bühne geboten hat, stehen künftig auch den RSV-Mitgliedern zur Verfügung. Umgekehrt profitieren GSTT-Mitglieder von der Stärke des RSV in Sachen Onlinepräsenz und nationaler Aktivität. Eine Win-Win-Situation, die sich auch auf politischer Ebene auszahlen dürfte - ein starker Verband hat einfach eine andere Außenwirkung als mehrere kleine. Das Zusammenrücken der Verbände ist im Übrigen bei unseren Mitgliederversammlungen immer wieder Thema gewesen. Mit der Fusion geben wir ein wichtiges Signal in diese Richtung.

4. Wie sehen Sie die künftige Rolle in der Verbändelandschaft?

Hölterhoff: Wir führen das fort, was beide Verbände auch schon vorher – in den jeweiligen Technik-Schwerpunkten – dargestellt haben: Einen wichtigen Knowhow-Akteur in der deutschen Verbändelandschaft, im Abgleich und Zusammenspiel mit anderen Verbänden. Das bedeutet: Wir werden unsere intensive Zusammenarbeit mit dem rbv und die guten Verbindungen zu DVGW, VDRK und DWA weiter pflegen und ausbauen und dort Lücken schließen, die sich aus Sicht von Unternehmen und Netzbetreibern auftun. Auf internationaler Ebene wird der neue Verband die Rolle der GSTT nahtlos weiterführen und künftig deutscher Vertreter des weltweiten Trenchless-Netzwerks sein.

3. Was sind die gemeinsamen Schwerpunkte des gemeinsamen Verbands?

Haacker: Wir sehen den Verband als Innovationstreiber, und zwar in den Bereichen Neubau, Erneuerung und Sanierung von Leitungen mit grabenlosen Verfahren. Grabenlos - das ist die gemeinsame Klammer, die sämtliche Technologien verbindet. Auf der Ebene der Maßnahmen bedeutet dies, technisch umsetzbare Antworten zu bieten auf künftige Herausforderungen wie Infrastrukturerhalt, Fachkräftebedarf und Klimawandel. Dabei haben nicht nur die Auftraggeber im Blick, sondern auch Politik und Öffentlichkeit, und zwar regional, national und international.

5. Was ist mit den Risiken, die eine solche Fusion mit sich bringt. Wie begegnen Sie Zweiflern?

Hölterhoff: Wir haben im Vorfeld unserer Sondierungsgespräche eine anonyme Umfrage unter allen Mitgliedern organisiert. Hier haben wir viel Zustimmung zum Zusammenschluss erhalten, allerdings auch mahnende Hinweise bekommen. Sorgen bestehen unter anderem darin, dass bestimmte Technologien "untergehen" könnten. Die Task Force, die aus Mitgliedern der beiden Verbände besteht und die Vorstände berät, hat diese Bedenken im Blick. Ob wir alle Sorgen ausräumen können, wissen wir natürlich nicht. Aber der neue Verband wird strukturell so aufgestellt sein, dass alle Mitglieder sich im Verband mit ihren Interessen wiederfinden und dort demokratisch einbringen können.

Haacker: Ein Verband lebt von der Aktivität seiner Mitglieder, aber auch von seinen Ansprüchen. Denn als Geschäftsführer eines Unternehmens stelle ich mir die Frage: Was bringt eine Mitgliedschaft in einem Verband? Die Antwort lässt sich auf eine simple Formel bringen: Ich profitiere in einem Verband von Leistungen, die nur gemeinschaftlich bewältigt werden können. Als größerer Verband können wir solchen Leistungen deutlich mehr Schub geben – zum Vorteil für unsere Mitglieder. Wichtig ist, dass wir die Agilität beibehalten, die uns als kleine Verbände bisher bewegungsfähig gemacht hat.

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