RSV-News Klimabilanz in der Kanalsanierung: Köln macht’s vor

Wie lässt sich die Nachhaltigkeit von Kanalsanierungsmaßnahmen beziffern? Die Entwässerungsbetriebe der Stadt Köln können auf diese Frage bereits vergleichsweise konkrete Antworten geben.

“Wir haben zwei Studenten an das Thema gesetzt, die sich mit den Daten beschäftigt haben und sämtliche Verfahren auf ihre CO2-Bilanz überprüft haben - vom Einsatz der Fahrzeuge über den Stromverbrauch bis hin zum Material”, erklärt Caroline Körner, Abteilungsleiterin Sanierungs- und Geodatenmanagement der Stadtentwässerungsbetriebe (StEB) Köln. Dabei kam heraus: “Wir erzeugen im gesamten Jahr mit unserer geschlossenen Sanierung weniger CO2 als mit zwei kleinen Kanalbaumaßnahmen.” Pro Jahr führen die StEB auf 80 Kilometern Länge Sanierungsarbeiten durch.

SteB plant Klimaneutralität bis 2030

Abseits der Zahlen betonte Körner beim VSB-Berateratag die Bedeutung der Kanalsanierung im Vergleich zum Neubau von Kanälen: “Kanalsanierung ist an sich schon nachhaltig - wir nutzen die vorhandenen Ressourcen bis zum Ende”. Nach Aussagen Körners will die SteB bereits 2030 klimaneutral sein – fünf Jahre früher als die Stadt Köln dies als Ziel anstrebt.

Viele Möglichkeiten, noch mehr CO2 einzusparen gebe es aus jetziger Sicht nicht. “Wir sind mit der Kanalsanierung nur ein ganz kleiner Baustein im Gesamtprozedere. Selbst wenn wir beim Material kleine Änderungen vornehmen würden, würde sich dies nicht spürbar auswirken”.

Worst-Case-Szenario als Basis

Körner räumte ein, dass die Ergebnisse der Berechnungen noch nicht für sämtliche Verfahren bis ins Detail vorliegen. “Wir sind mit einem Worst-Case-Szenario gestartet und haben vieles pauschaliert. Wir sind immer noch dabei, Finetuning zu betreiben”. Zu bedenken sei, dass die Stadt Köln neben der Renovierung mit Schlauchlinern einen großen Teil der Sanierungsmaßnahmen mit Reparaturen bestreiten. “Die manuellen Reparaturen machen die Hälfte unserer CO2-Bilanz aus. Aber man sieht: Wenn wir ein Kopfloch bohren müssen hat dies gleich eine ganz andere CO2-Bilanz als die Injektion”, so Körner.

“Hersteller sind jetzt in der Pflicht”

Im Gespräch mit dem RSV macht die Netzbetreiberin deutlich, dass nun auf die gesamte Branche Aufgaben zukommen: “Jetzt sind die Hersteller der Systeme in der Pflicht, Informationen über die Materialien zu liefern und die Transportketten sichtbar zu machen.” Auf der Ebene der Netzbetreiber gebe es den eindeutigen Trend, dass die CO2-Bilanz fester Bestandteil von öffentlichen Vergabeverfahren wird – so wie dies bereits in einigen Ländern im Ausland der Fall ist. “Noch vor wenigen Jahren dachte man, dass das noch lange kein Thema sein wird. Aber jetzt wissen wir: Das wird schnell gehen”, so Körner.

Der RSV hat in diesem Jahr den Arbeitskreis Nachhaltigkeit gegründet, der sich zum Ziel gesetzt hat, das Thema im Sinne künftiger Entwicklungen voranzubringen. Mehr dazu hier.

Bildquelle: Oben: Adobe Stock

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