RSV-News ‚Äď Infektionsschutz am Arbeitsplatz - aktell: Klimaanlagen, DGUV-Regeln

Tipps zum Thema Raumluft und Klimaanlagen

(31.07.2020) Das Thema Bel√ľftung am Arbeitsplatz r√ľckt zunehmend in den Fokus: Die Verbreitung des Coronavirus durch Aerosole - zum Beispiel durch Klimaanlagen - gilt inzwischen als ernstzunehmender Verbreitungsweg. Moderne und gewartete Filteranlagen sowie gutes L√ľften k√∂nnen Abhilfe schaffen.

Verbreiten Klimaanlagen das Coronavirus? Worauf sollte man beim Kauf achten? Was tun, wenn es in Räumen keine Klimaanlagen gibt? Wer sich als Arbeitgeber einen Überblick verschaffen möchte, findet Antworten auf diese Fragen auf der Website der WDR-Sendung "Quarks & Co". Hier gibt es Fragen und Antworten zu allen Themen, die sich mit der Ansteckungsgefahr aus der Raumluft beschäftigen.

Interessant f√ľr Baukolonnen ist die Frage, in wieweit die gemeinsame Fahrt zur Baustelle im Auto eine Ansteckungsgefahr darstellt - hier liefert der ADAC aktuelle Hinweise.

So sind in Deutschland Klimaanlagen ohne Frischluftzufuhr nicht erlaubt - allerdings wird auch betont: "Mit richtig dimensionierten, professionell errichteten und gewarteten Klima- und L√ľftungsanlagen werden eventuell vorhandene Keime sicher und automatisch abgef√ľhrt und gefiltert." (Quelle: Claus H√§ndel, technischer Referent des Fachverbands Geb√§ude-Klima.

Empfehlenswert sind auch die aktuellen Hinweise des Umweltbundesamtes zu diesem Thema.

 

Neue DGUV-Regeln Abwasserentsorgung und Arbeitsplatzbel√ľftung

(31.07.2020) Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) hat zwei neue, interessante Dokumente herausgebracht: Die DGUV-Regeln zum Arbeitsschutz in der Abwasserentsorgung wurden aktualisiert, zum anderen gibt es Hinweise zur Arbeitsplatzbel√ľftung - auch auf Baustellen. Die neuen Anleitungen f√ľr die Abwasserentsorgung stehen zum kostenlosen Download auf der Website zur Verf√ľgung.

DGUV-Regel 103-602 Abwasserentsorgung

DGUV Regel 109-002 Arbeitsplatzl√ľftung - Lufttechnische Ma√ünahmen

 

(20.04.2020) Der Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus wird uns noch l√§nger besch√§ftigten ‚Äď das ist inzwischen klar. Die Strategie der Bundesregierung lautet nun: Infektionsschutzregeln werden Teil des Arbeitsalltags. Das Bundesarbeitsministerium hat zehn Punkte vorgestellt, die f√ľr Arbeitgeber in ganz Deutschland gelten sollen. Berufsgenossenschaften wollen branchenspezifische Empfehlungen entwickeln. Der RSV will das begleiten.

Mindestens 1,5 Meter Abstand halten, Handwaschplätze anbieten, gemeinsame Arbeitszeiten entzerren - der Zehn-Punkte-Plan des Arbeitsministeriums ähnelt in vielen Punkten dem, was Arbeitsschutzexperten längst empfehlen.

 Der Zehn-Punkte-Plan im √úberblick:

  1. Arbeitsschutz gilt weiter ‚Äď und muss bei einem schrittweisen Hochfahren der Wirtschaft zugleich um betriebliche Ma√ünahmen zum Infektionsschutz vor SARS-CoV-2 erg√§nzt werden!

Wenn sich wieder mehr Personen im √∂ffentlichen Raum bewegen, steigt das Infektionsrisiko ‚Äď und damit das Risiko steigender Infektionszahlen und √úberlastung des Gesundheitswesens. Dazu ist ein hoher Arbeitsschutzstandard notwendig, der dynamisch an den Pandemieverlauf angepasst wird.

  1. Sozialpartnerschaft nutzen, Arbeitsschutzexperten einbinden, Angebot arbeitsmedizinischer Vorsorge ausweiten!

Eine gelebte Sozialpartnerschaft in den Betrieben hilft gerade jetzt, die notwendigen Schutzma√ünahmen wirksam im betrieblichen Alltag zu verankern. Betriebs√§rzte und Fachkr√§fte f√ľr Arbeitssicherheit beraten den Arbeitgeber bei der Umsetzung des SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandards und unterst√ľtzen bei der Unterweisung. Die Betriebe bieten ihren Besch√§ftigten zus√§tzliche freiwillige, ggf. telefonische, arbeitsmedizinische Vorsorge an.

  1. Der Sicherheitsabstand von mindestens 1,5 Metern wird universell auch bei der Arbeit eingehalten - in Gebäuden, im Freien und in Fahrzeugen!

In den Betrieben werden entsprechende Absperrungen, Markierungen oder Zugangsregelungen umgesetzt. Wo dies nicht möglich ist, werden wirksame Alternativen ergriffen.

  1. Abläufe werden so organisiert, dass die Beschäftigten möglichst wenig direkten Kontakt zueinander haben!

Schichtwechsel, Pausen oder Anwesenheiten im B√ľro werden durch geeignete organisatorische Ma√ünahmen entzerrt, Kontakte der Besch√§ftigten untereinander werden im Rahmen der Schichtplangestaltung auf ein Minimum reduziert.

  1. Niemals krank zur Arbeit!

Personen mit erkennbaren Symptomen (auch leichtes Fieber, Erk√§ltungsanzeichen, Atemnot) verlassen den Arbeitsplatz bzw. bleiben zu Hause, bis der Verdacht √§rztlicherseits aufgekl√§rt ist. Hier sind auch die Besch√§ftigten gefragt, ihre gesundheitliche Situation vor Arbeitsbeginn zu pr√ľfen, um ihre Kolleginnen und Kollegen nicht in Gefahr zu bringen.

  1. Zusätzlichen Schutz bei unvermeidlichem direkten Kontakt sicherstellen!

Wo Trennung durch Schutzscheiben nicht m√∂glich ist, werden vom Arbeitgeber Nase-Mund-Bedeckungen f√ľr die Besch√§ftigten und alle Personen mit Zugang dessen R√§umlichkeiten (wie Kunden, Dienstleister) zur Verf√ľgung gestellt.

  1. Zusätzliche Hygienemaßnahmen treffen!

Waschgelegenheiten bzw. Desinfektionsspender werden vom Arbeitgeber bereitgestellt, um die erforderliche h√§ufige Handhygiene am Ein-/Ausgang und in der N√§he der Arbeitspl√§tze zu erm√∂glichen. Kurze Reinigungsintervalle f√ľr gemeinsam genutzte R√§umlichkeiten, Firmenfahrzeuge, Arbeitsmittel und sonstige Kontaktfl√§chen verbessern den Infektionsschutz weiter. Auf die verbindliche Einhaltung einer "Nies-/Hustetikette" bei der Arbeit wird besonders geachtet!

  1. Arbeitsmedizinische Vorsorge nutzen; Risikogruppen besonders sch√ľtzen!

Viele bangen um ihre Gesundheit. Arbeitsmedizinische Vorsorge beim Betriebsarzt erm√∂glicht individuelle Beratung zu arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren. Auch Vorerkrankungen und √Ąngste k√∂nnen hier besprochen werden. Wird dem Arbeitgeber bekannt, dass eine Person einer Risikogruppe angeh√∂rt, ergreift er die erforderlichen individuellen Schutzma√ünahmen.

  1. Betriebliche Beiträge zur Pandemievorsorge sicherstellen!

Um schnell auf erkannte Infektionen reagieren zu können, erarbeiten Arbeitgeber betriebliche Routinen zur Pandemievorsorge und kooperieren mit den örtlichen Gesundheitsbehörden, um weitere möglicherweise infizierte Personen zu identifizieren, zu informieren und ggf. auch isolieren zu können. Beschäftigte werden angehalten, sich bei Infektionsverdacht an einen festen Ansprechpartner im Betrieb zu wenden.

  1. Aktive Kommunikation rund um den Grundsatz "Gesundheit geht vor!"

Der Arbeitgeber unterst√ľtzt aktiv seine Besch√§ftigten. F√ľhrungskr√§fte stellen vor Ort klar, dass Sicherheit und Gesundheit der Besch√§ftigten Priorit√§t haben. Alle zus√§tzlichen betrieblichen Infektionsschutzma√ünahmen und Hinweise werden verst√§ndlich erkl√§rt und ggf. erprobt und einge√ľbt.

Umsetzung des Arbeitsschutzstandards f√ľr die Branche

Es ist kaum zu √ľbersehen: Die Hinweise, die nun Standard sein sollen, sind erst einmal sehr allgemein gehalten. Was bedeutet das nun f√ľr unsere Branche? Abgesehen von den Hinweisen der Berufsgenossenschaften (siehe unten) haben wir zentrale Fragen gestellt und pr√§sentieren hiermit die Antworten der Fachexperten.

Wie kann k√∂nnen Arbeitgeber jetzt Mitarbeiter sch√ľtzen?

Abgesehen von den vorgenannten Grundlagen gilt speziell in unserer Branche: Bei der Arbeit in abwassertechnischen Anlagen  gelten die TRBA 220 ‚ÄěSicherheit und Gesundheit bei T√§tigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in abwassertechnischen Anlagen‚Äú oder TRBA 500 ‚ÄěGrundlegende Ma√ünahmen bei T√§tigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen‚Äú. Zu den Aufgaben des Arbeitgebers geh√∂rt unter anderem die Erstellung einer Gef√§hrdungsbeurteilung. Eine Vorlage zum Ausf√ľllen - als Erg√§nzung zur Gef√§hrdungsbeurteilung zum Schutz vor dem Coronavirus - gibt es bei der BG ETEM unter diesem Link. Zu Pandemiema√ünahmen in Abwasserbetrieben hat die DWA au√üerdem einen Leitfaden herausgebracht.

 

Zum Download: BMAS Arbeitsschutz-Standard zum Sars-COV 2

sars-cov-2-arbeitsschutzstandard.pdf (556,3 KiB)

Zum Download: Plakat der DGUV f√ľr den Arbeitsplatz

dguvplakat.pdf (1,6 MiB)

Worauf Arbeitgeber jetzt achten m√ľssen:

Laut BMAS gilt:

  • Die Verantwortung f√ľr die Umsetzung notwendiger Infektionsschutzma√ünahmen tr√§gt der Arbeitgeber entsprechend dem Ergebnis der Gef√§hrdungsbeurteilung.

  • Der Arbeitgeber hat sich von den Fachkr√§ften f√ľr Arbeitssicherheit und Betriebs√§rzten beraten zu lassen sowie mit den betrieblichen Interessensvertretungen abzustimmen

  • Arbeitsmedizinische Vorsorge und Schutz besonders gef√§hrdeter Personen: Arbeitsmedizinische Vorsorge ist den Besch√§ftigten zu erm√∂glichen, beziehungsweise anzubieten.

  • Der Betriebsarzt / die Betriebs√§rztin kennt den Arbeitsplatz und schl√§gt dem Arbeitgeber geeignete Schutzma√ünahmen vor, wenn die normalen Arbeitsschutzma√ünahmen nicht ausreichen.

https://www.bmas.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2020/einheitlicher-arbeitsschutz-gegen-coronavirus.html

BG ETEM: COVID-19 Infektionsrisiko in abwassertechnischen Anlagen

 

Nach derzeitigem Wissensstand ist eine √úbertragung von COVID-19 √ľber den Weg des Abwassers sehr unwahrscheinlich. Von einer Gef√§hrdung f√ľr Besch√§ftigte in abwassertechnischen Anlagen in Zusammenhang mit dem Auftreten von COVID-19 ist laut aktueller Datenlage nicht auszugehen. Die Krankheit wird im direkten Kontakt mit Infizierten noch vor dem Einsetzen von Krankheitssymptomen durch Tr√∂pfchen- oder Schmierinfektion √ľbertragen.

Beim derzeit eingesetzten PCR-Test werden einzelne DNA-Stränge vervielfältigt und mit der COVID-19 Virus-RNA abgeglichen. Aufgrund der hohen Spezifität des Tests kann damit treffsicher bestimmt werden, ob es sich beim untersuchten Virus auch tatsächlich um COVID-19 handelt und nicht um andere Erkältungsviren.

Mit dem PCR-Test ist COVID-19 auch im Stuhl sehr gut nachweisbar, wobei es aber nicht so aussieht, als wäre das dort mit PCR nachgewiesene Virus ein infektiöses Virus. Diese Schlussfolgerung ist möglich, weil man dieselbe Probe parallel auf eine Zellkultur geben kann und anschließend nachschaut, ob dieses Virus auch lebend anwächst. Dies tut es nach allen bisher veröffentlichten Untersuchungen nicht.

Nach einer am 01.04.2020 in der Fachzeitschrift Nature ver√∂ffentlichten Studie scheint die Infektiosit√§t der COVID-19-Patienten insbesondere von der Viruslast im Rachen bzw. der Lunge abzuh√§ngen, was darauf hindeutet, dass COVID-19-Erkrankte schon zu einem Zeitpunkt infekti√∂s sein k√∂nnen, bevor sie √ľberhaupt bemerken, dass sie krank sind.

Unabhängig von der im PCR-Test nachgewiesenen Konzentration der viralen RNA war in der Studie eine Virusisolierung aus Stuhlproben in keinem der untersuchten Fälle erfolgreich (basierend auf insgesamt 13 entnommenen Proben). Eine erfolgreiche Virusisolation hängt auch von der Viruslast ab: Ein weiteres Ergebnis war, dass Proben mit weniger als 106 Kopien/ml (oder Kopien pro Probe) niemals ein Isolat ergaben.

Aus diesen Gr√ľnden ist nach derzeitigem Wissenstand nicht von einer COVID-19-Infektion z. B. durch Austrag von Viruspartikeln √ľber Aerosole aus Einsteigsch√§chten von Kanalisationen auszugehen.

Dessen ungeachtet sind Schutzmaßnahmen, wie in der TRBA 220 "Sicherheit und Gesundheit bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in abwassertechnischen Anlagen" formuliert, zu beachten.

Sie haben Anregungen oder Fragen zu diesem Thema?

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