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Ausschreibung mit Preisgleitklausel – So geht's

Erhebliche Preissteigerungen in der Chemieindustrie und im Energiebereich sowie knappe VerfĂŒgbarkeit in diversen Branchen machen Auftraggebern im Bereich Kanalsanierung zu schaffen. Aufgrund eines neuen Erlasses zum Umgang mit Stoffpreisgleitklauseln in öffentlichen Ausschreibungen haben wir diese Seite grundlegend ĂŒberarbeitet.

Alle relevanten Dokumente zum Herunterladen finden Sie am Ende der Seite.

FormblÀtter und Erlasse des Bundes

Neuer Erlass vom 22.06.2022 zur Stoffpreisgleitklausel

2022-06-22-bmwsb-bwi7-stoffpreissteigerungen-verlaengerung-erlass.pdf (376,3 KiB)

Erlass vom 22.03.2022 zu Preissteigerungen wichtiger Baumaterialien

baustoffpreissteigerung-erlass.pdf (382,3 KiB)

Hinweis zur Wirkungsweise des Formblatts 225a

hinweis-wirkungsweise.pdf (409,3 KiB)

RSV-Dokumente zum Herunterladen

Anwendung des GP-RS fĂŒr Schlauchliner - Formblatt 225a

225a-ausfuellbare-erklaerung-preisgleitklausel-gp-rs-rsv.pdf (483,4 KiB)

Hinweise zum Dokument

  • Die Empfehlung erfolgt aus der Motivation heraus, Ausschreibungen von Schlauchlinern zu ermöglichen und zugleich den Anforderungen gerecht zu werden, das Vergabehandbuch des Bundes (Formblatt 225a) anzuwenden. Zahlreiche Kommunen und IngenieurbĂŒros haben dem RSV mitgeteilt, dass sie dazu angehalten wurden. Als Alternative steht die Formulierung einer Allgemeinen Verhandlungsklausel zur VerfĂŒgung.
  • Weichen in der Zukunft die tatsĂ€chlichen Entwicklungen der Verkaufspreise deutlich von der Entwicklung des GP-RS des Statistischen Bundesamts ab, wird der RSV aktiv von einer Anwendung der Preisgleitklausel abraten.
  • Es handelt sich bei der Anwendung der Preisgleitklausel nach dem Vergabehandbuch um eine freiwillige Anwendung der ausschreibenden Stelle (weitere "Risiken und Nebenwirkungen" im Dokument

Fragen und Antworten

Warum wird nun die Ausschreibung mit Preisgleitklausel in der Kanalsanierung einfacher? (15.08.22)

Mit dem neuen Erlass zur Preisgleitklausel hat das Bundesministerium fĂŒr Wohnen, Stadtentwicklung und Bau am 22. Juni 2022 eine aktualisierte Fassung des Vergabehandbuchs herausgegeben. Das darin enthaltene neue Formblatt 225a ist eine Reaktion auf die schwierige Anwendung der Stoffpreisgleitklausel in der Praxis. So musste der Auftraggeber bisher im Vorfeld der Ausschreibung einen "Basiswert 1" ermitteln – also einen Preis, der noch vor der Ausschreibung fĂŒr das jeweilige verwendete Material zu erwarten ist. Eine kaum bewĂ€ltigende Aufgabe, da nicht der Hersteller nicht direkt bietet, sondern das ausfĂŒhrende Unternehmen die verwendeten Materialien einkauft. Der Zeitpunkt der Preisfindung ist nun auf den Zeitpunkt der Submission verlagert. Das bedeutet: Das ausschreibende Unternehmen legt die GP-Nummer des Stoffes fest, dessen Preisentwicklung monatlich durch das Statistische Bundesamt beobachtet wird. Der Bieter trĂ€gt im Angebot den von ihm kalkulierten Stoffpreis ein (siehe Stellungnahme des RSV-Vorstands dazu).

Ein Problem bleibt ungelöst: Wie geht man mit Verbundstoffen im Schlauchlining um, wenn es keine GP-Nummer fĂŒr das Material "Schlauchliner" gibt? Der RSV hat den "GP-RS" entwickelt, der die Zusammensetzung von Schlauchlinern mit den relevanten Indizes des Statistischen Bundesamts abbildet. Siehe Stellungnahme

Wie wenden Auftraggeber die Preisgleitklausel im Schlauchlining an? (15.08.22)

Im aktuellen Formblatt 225a des Vergabehandbuchs legt der Auftraggeber die sogenannte GP-Nummer fĂŒr das Material fest, fĂŒr das die Preisgleitung gelten soll. Diese erlaubt die Zuordnung zum Preisindex des Statistischen Bundesamts. Im Angebot bietet das Unternehmen einen kalkulierten Preis fĂŒr dieses Material. Beim Schlauchlining kann in das Formblatt – statt einer GP-Nummer – der GP-RS 1, GP-RS 2 oder GP-RS 3 eingetragen werden (bei materialoffenen Ausschreibungen alle Indizes) und eine entsprechende ErklĂ€rung zur Anwendung von beiden Seiten beigelegt werden. Alle Unterlagen finden Sie unten auf dieser Seite.

Wie findet man beim Statistischen Bundesamt eine GP-Nummer bzw. einen Indexwert? (26.07.22)

Klicken Sie auf zur Ermittlung der aktuellen Erzeugerpreisstatistik auf www.destatis.de.

AufgefĂŒhrt werden Rohstoffe und Industrieerzeugnisse, die von Produzenten des Verarbeitenden Gewerbes, der Energie- und Wasserwirtschaft sowie des Bergbaus in Deutschland hergestellt und im Inland verkauft werden.

Wo findet man die aktuellen Indexwerte fĂŒrs Schlauchlining? (23.05.22)

Die jeweils aktuellen Werte, die auf den Erzeugerpreisen des Statistischen Bundesamts basieren, werden jeden Monat um den 20. herum veröffentlicht. Sie beziehen sich jeweils auf den Vormonat. Der RSV aktualisiert monatlich die Werte und bietet die jeweils fĂŒr das Schlauchlining relevanten Daten sowie die angepasste Berechnungshilfe unten auf dieser Seite unter "RSV-Dokumente zum Herunterladen"

Folgende GP-Nummern wurden zur Ermittlung der Werte verwendet:

GP-RS 1 (Nadelfilzliner, EP) Anteil    
GP 09-2016406201* 15  % Nadelfilzliner EP -TrĂ€germaterial Polyethylenterephtalat, in PrimĂ€rformen
GP 09-201640308 * 85 % Nadelfilzliner EP - Harz Epoxidharze, in anderen PrimÀrformen
       
GP-RS 2 (Nadelfilzliner, UP)      
GP-Nummer Anteil Produktart Beschreibung laut Statistik
GP 09-2016406201 * 15 % Nadelfilzliner UP - TrÀgermaterial Polyethylenterephtalat, in PrimÀrformen
GP 09-201325700 * 20 % Nadelfilzliner UP - FĂŒllstoff Aluminiumhydroxid (t-Al2O3)
GP 09-201640900 * 65 % Nadelfilzliner UP - Harz Andere Polyester, in PrimÀrformen
       
GP-RS 3 (Glasfaserliner, UP)      
GP-Nummer Anteil Produktart Beschreibung laut Statistik
GP 09-201640900 50 % Glasfaserliner - Harz Andere Polyester, in PrimÀrformen
GP 09-23141 50 % Glasfaserliner - Glas Glasfasern (einschl. Glaswolle), Waren daraus
       
       

Grundlage sind folgende Tabellen bei Destatis:

*ausgewÀhlte 9-Steller, Sonderpostionen

**5-Steller
Wie sind Mehr- und Minderaufwendungen bei einer Preisgleitklausel mit dem Formblatt 225a zu berechnen (Beispielrechnung)? (26.07.22)

Dies ist unter Punkt 3 des Formblatts 225a erlÀutert.

Folgende Angaben sind zu machen:

  • GP-Nummer (Betriebsstoffe: Abrechnungseinheit) (GĂŒterverzeichnis Produktionsstatistik)
  • Abrechnungszeitpunkt (z. B. Einbau, Lieferung oder Verwendung)

Ein Basiswert 1 entfĂ€llt. Stattdessen gibt der Bieter die fĂŒr die jeweilige GP-Nummer den Stoffpreis aus seinem Angebot an. Dies ist dann Basiswert 2 zum Zeitpunkt der Submission. Der Basiswert 3 berechnet sich dann aus der Multiplikation von Basiswert 2 mit dem Quotienten aus Index des Abrechnungszeitpunkts und Index der Angebotseröffnung.

Mehr- oder Minderaufwendungen werden errechnet fĂŒr jede Position (OZ) im "Verzeichnis fĂŒr Stoffpreisgleitklausel", als Differenz des Basiswertes 3 und des Basiswertes 2, multipliziert mit der abzurechnenden Menge.

GemĂ€ĂŸ Erlass vom 22.06.2022 kann die Ermittlung der Stoffpreise ohne Basiswert 1 erfolgen.

 

Basiswerte

Zeitpunkt

Ermittlungsweg

Indexwert

in Euro

1

Basiswert 1

  entfĂ€llt    

2

Basiswert 2

Angebotseröffnung (Öffnen der Angebote) (Monat)

Stoffpreis aus dem bezuschlagten Angebot (Angabe des Bieters)

122

332,73 €

3

Basiswert 3

Abrechnungszeitpunkt (Monat)

Basiswert 2 * (Indexwert aus 3/Indexwert aus 2)

144

332,72 €*(144/122)=392,72 €

Mehraufwendung aus diesem Beispiel: 59,99 Euro, Selbstbehalt: 5,99 €. Auszahlung 54 € / m

Angebotspreis des bezugschlagten Angebotes: 370 €/ m

Preisfortschreibung Basiswert 3: 370 €/m + 54€/m = neuer Preis: 424 €/m

Wann kann eine "Störung der GeschÀftsgrundlage" vorliegen? (11.05.22)

Die Anforderungen fĂŒr eine Störung der GeschĂ€ftsgrundlage nach § 313 BGB sind grundsĂ€tzlich hoch. Sie ist im Einzelfall zu betrachten und setzt eine erhebliche VerĂ€nderung der Voraussetzungen voraus. So muss etwa nachgewiesen sein, dass Auftragnehmer den Vertrag – unter den verĂ€nderten Rahmenbedingungen – nicht eingegangen wĂ€ren. Nach der aktuellen Rechtsprechung können selbst Ereignisse wie Revolution, Krieg, Vertreibung, Hyperinflation oder eine (Natur-) Katastrophe nicht herangezogen werden, um einen Wegfall der GeschĂ€ftsgrundlage zu begrĂŒnden. (BGH, XII ZR 8/21)

Wann ist in öffentlichen VertrÀgen ein neues Vergabeverfahren notwendig? (11.05.22)

Die Grenze fĂŒr eine nachtrĂ€gliche Anpassung ist in § 132 GWB geregelt. NachtrĂ€gliche Änderungen sind möglich, wenn "der Wert der Änderung der Liefer- und DienstleistungsauftrĂ€ge nicht mehr als 10 Prozent und bei BauauftrĂ€gen nicht mehr als 15 Prozent des ursprĂŒnglichen Auftragswertes betrĂ€gt". Ansonsten gilt: Wesentliche Änderungen erfordern eine Neuausschreibung.

Eine wesentliche Änderung liegt unter anderem dann vor," wenn mit der Änderung das wirtschaftliche Gleichegwicht des öffentlichen Auftrages zugunsten des Auftragnehmers in einer Weise verschoben wird, die im ursprĂŒnglichen Auftrag nicht vorgesehen war." (§ 132 GWB (1),2). "Ferner wird eine wesentliche Änderung angenommen, wenn sich durch die Änderung das wirtschaftliche Gleichgewicht des Auftrags zugunsten des Auftragnehmers verschieben wĂŒrde (Nr. 2). Wesentlich sind zudem nachtrĂ€gliche Änderungen, wenn mit der Änderung der Umfang des öffentlichen Auftrags erheblich ausgeweitet (Nr. 3) oder der „alte“ Auftragnehmer durch einen neuen Auftragnehmer ersetzt wird (Nr. 4)." (Quelle: DTVP)

"Bei Preissteigerungen um mehr als 50 Prozent wird dies regelmĂ€ĂŸig angenommen" (Quelle: JĂ€ger RechtsanwĂ€lte)

(ohne GewÀhr)

Wo findet man die Empfehlung des RSV zur Stoffpreisgleitklausel fĂŒr Schlauchliner? (09.05.22)

Mit einer Empfehlung zum Herunterladen bietet der RSV seit dem 9.5.22 nun eine Möglichkeit fĂŒr ausschreibende Stellen, die die Preisgleitklausel bei Schlauchlinern anwenden mĂŒssen oder möchten..

Um die Berechnung zu vereinfachen, gibt es eine Beispielrechnung sowie eine Excel-Datei zum Herunterladen, die eine einfache Ermittlung des GP-RS ermöglicht (siehe RSV-Dokumente zum Herunterladen unten auf dieser Seite)

Das Dokument enthĂ€lt einen Verbundindex mit GP-Nummern fĂŒr die jeweiligen Materialien, aus denen Schlauchliner bestehen. Je nach Material gibt es einen eigenen Index, der bei einer starken Preissteigerung zwischen Angebotseröffnung (Basiswert 2) und Abrechnung (Basiswert 3) herangezogen werden kann. Weitere Hinweise - zum Beispiel zur Bagatellgrenze und zur Berechnung - sind dem Formblatt 225 des  Vergabehandbuchs zu entnehmen.

Hier geht es zur Index-Empfehlung

Erstellt am 09.05.22, aktualisiert am 27.07.22

Ist die Schaffung eines eigenen Indexes fĂŒr das Schlauchlining sinnvoll? (09.05.22)

Das Formblatt zur Preisgleitklausel aus dem Vergabehandbuch des Bundes verlangt zur Bewertung GP-Nummern aus der Erzeugerpreisstatistik des Statistischen Bundesamts und die dazugehörigen Indizes.   Diese sind unter anderem hier zu finden (mit Strg + Fz. B.  nach „Rohre“ zuchen) Link aktualisiert am 02.05.22

Da es z. B. fĂŒr das Schlauchlining einen solchen Indexwert bisher nicht gibt, wĂ€re die Voraussetzung fĂŒr einen eigenen Index, dass dieser die tatsĂ€chliche Verkaufspreisentwicklung der auf die Baustelle gelieferten Produkte nachweislich abbildet. Der RSV hat eine Lösung erarbeitet, die es ausschreibenden Stellen ermöglicht, in unsicheren Situationen wie diesen eine sichere Kalkulation gemĂ€ĂŸ der Vorgaben des Formblatts zu ermöglichen. Diese liegt seit dem 6. Mai vor.

Hier geht es zur Indexempfehlung GP-RS

Erstellt am 21.04.22, ĂŒberarbeitet am 26.04.22 und zuletzt am 09.05.22

Warum Stoffpreisgleitklauseln im Schlauchlining schwer umsetzbar sind (09.05.22)

Wird das Vergabehandbuch des Bundes mit dem Formblatt 225 (siehe Download unten auf der Seite) angewendet, ist eine Preisangabe gefordert – und zwar mit einem damit verbundenen Preisindex des Statistischen Bundesamts. Unter Punkt 2.2 heißt es:

Der Auftraggeber setzt für die im „Verzeichnis für Stoffpreisgleitklausel“ aufgeführten Stoffe fest:

  • einen Basiswert 1 zum Zeitpunkt der Versendung der Vergabeunterlagen (Monat / Jahr) als
    Nettopreis der der Abrechnung zugrunde liegenden Abrechnungseinheit (z.B. €/t, €/ltr.),
  • die GP-Nummer,
  • für Betriebsstoffe: die Abrechnungseinheit (z.B. Verbrauch in ltr/mÂł),
  • den Abrechnungszeitpunkt.

Ein entscheidender Punkt ist die GP-Nummer - eine bis zu 9-stellige Nummer, die fĂŒr Produkte im "GĂŒterverzeichnis fĂŒr Produktionsstatistiken" vergeben wird. Auf diesem Verzeichnis basieren die Informationen der Erzeugerpreisstatistik des Statistischen Bundesamtes, die derzeit insgesamt rund 1350 Positionen umfasst.

Derzeit gibt es in der offiziellen Erzeugerpreisstatistik des Statistischen Bundesamtes keinen Erzeugerpreis fĂŒr das "Vorprodukt Schlauchliner", und damit auch keine GP-Nummer.

Das GĂŒteverzeichnis, auf das die derzeitge Erzeugerpreisstatistik sich bezieht, stammt aus dem Jahr 2009 (!). Ob sich die Erzeugerpreisstatistik - mitsamt ihren GP-Nummern - ĂŒberhaupt fĂŒr eine aktuelle Abbildung von Preisen im Baubereich eignet, wĂ€re zu hinterfragen. Auch an anderen Stoffen und Produkten sieht man auffĂ€llige PreissprĂŒnge zwischen einzelnen Monaten. Diese können darauf zurĂŒckzufĂŒhren sein, dass die Datenbasis klein ist und es nur wenige Meldungen an das Statistische Bundesamt gegeben hat.

Allerdings: Um Ausschreibungen nicht ins Stocken geraten zu lassen, weil die Anwendung der Preisgleitklausel vorgeschrieben ist, hat der RSV eine Empfehlung erarbeitet.

Hier geht es zur Empfehlung

Aktualisiert am 09.05.22

(ohne GewÀhr)

Ist die Nutzung der FormblÀtter 221 bis 223 aus dem Vergabehandbuch eine Alternative zur Stoffpreisgleitklausel (Formblatt 225)? (26.04.22)

Mangels eindeutiger GP-Nummern werden immer wieder die FormblĂ€tter 221-223 des Vergabehandbuchs des Bundes ins GesprĂ€ch gebracht, bei denen der Bieter seine Kalkulation mit vorbestimmten ZuschlĂ€gen versieht. Diese BlĂ€tter als Ersatz fĂŒr den festzulegenden Basiswert 1 zu nutzen oder hierdurch die GP-Nummer zu ersetzen, sieht Rechtsanwalt Robin Lorenz von der Kanzlei CLP aus zwei GrĂŒnden fĂŒr problematisch. ”Der Basiswert 1 muss zum Zeitpunkt der Versendung der Vergabeunterlagen festgelegt werden, wie es die Richtlinie zu 225 in Ziffer 6.1.1. festlegt. Wenn man auf die Preise nach Formblatt 223 abstellt, eröffnet man nicht nur SpielrĂ€ume fĂŒr Spekulationen, sondern verzögert auch den Basiswert 1 um den Zeitraum der Angebotsfrist. Denn das Formblatt erhalten Sie erst mit Angebotsabgabe.” Außerdem wĂŒrden Auftraggeber keinen einheitlichen Referenzwert erhalten, da das Formblatt 223 Ausdruck der Kalkulation eines jeden Bieters ist, die naturgemĂ€ĂŸ voneinander abweichen können. Mithin erhalten Sie je nach Angebot einen anderen Referenzwert. Auch dies halte ich fĂŒr schwierig, da es ein objektiver Referenzwert sein soll.”

Erstellt am 14.04.22, ĂŒberarbeitet am 26.04.22

Was der Erlass BMWSB fĂŒr die Kanalsanierung bedeutet (26.04.22)

Der Erlass des Bundesministeriums (Download unten auf der Seite) gilt ausschließlich fĂŒr Baumaßnahmen des Bundes. FĂŒr alle anderen ist die Anwendung freiwillig, wenngleich Bundesbauministerin Klara Geywitz unlĂ€ngst die Empfehlung fĂŒr die Anwendung durch LĂ€nder und Kommunen ausgesprochen hat. Bei Bundes-Baumaßnahmen wird die Nutzung des Formblatts 225 (Einbeziehung der Preisgleitklausel) vorgeschrieben, wenn und soweit zwischen Angebotsabgabe und Lieferung bzw. Fertigstellung ein Zeitraum von einem Monat liegt. In laufende Vergabeverfahren soll eine Preisgleitklausel nachtrĂ€glich eingefĂŒhrt werden. Nach Angebotseröffnung soll die Ausschreibung zurĂŒckversetzt werden und die Preisgleitklausel ist nachtrĂ€glich einzubeziehen. Eine spontane Umfrage im Webinar zeigte: Das Vergabehandbuch des Bundes ist fĂŒr die meisten der ausschreibenden Stellen aufgrund interner Vorgaben zwingend anzuwenden.

Erstellt am 08.04.22, ĂŒberarbeitet am 26.04.22

Alternative: Allgemeine Verhandlungsklausel (26.04.22)

Als Alternative stellt Rechtsanwalt Robin Lorenz von der Kanzlei CLP die Lösung vor, Verhandlungsklauseln in der Ausschreibung zu formulieren. Bei laufenden VertrĂ€gen sei es zudem ratsam, mit dem Auftragnehmer gemeinsam nach Lösungen zu suchen. ”Sprechen können die Parteien im Rahmen der VertragsdurchfĂŒhrungimmer, das setzt allerdings ein hohes Maß an Vertrauen voraus”, so Lorenz. Eine allgemeine Verhandlungsklausel abseits des Vergabehandbuchs kann den Parteien einen vertraglichen Anspruch verschaffen. Dies ist aber dann schwierig zu realisieren, wenn öffentliche Auftraggeber ausschließlich das Vergabehandbuch verwenden dĂŒrfen. Noch zu beobachten ist die Frage, wie sich Angebote entwickeln, wenn keinerlei Preisgleitklausel eingebunden wird.” 

Erstellt am 08.04.22, ĂŒberarbeitet am 26.04.22

Was ist aus statistischer Sicht bei Preisleitklauseln zu beachten? (14.04.22)

Diese Frage beantwortet Destatis aktuell auf der Internetseite.

"Aus statistischer Sicht ist es sinnvoll, in VertrÀgen nicht auf Indexpunkte, sondern auf prozentuale VerÀnderungsraten abzustellen, da Indexpunkte stark vom absoluten Indexstand der verglichenen Indizes abhÀngen."

Mehr dazu hier:

https://www.destatis.de/DE/Themen/Wirtschaft/Preise/Erzeugerpreisindex-gewerbliche-Produkte/Methoden/Erlaeuterungen/preisgleitklauseln.html

Wie hilft das Statistische Bundesamt weiter? (12.04.2022)

AuskĂŒnfte zu Preisen trifft das Statistische Bundesamt nicht. Allerdings lohnt sich durchaus die Kontaktaufnahme. Destatis teilt aktuell mit:

"Unternehmen verwenden in VertrĂ€gen mit anderen Unternehmen hĂ€ufig Preisgleitklauseln, um sich gegen Marktrisiken abzusichern. Darin wird hĂ€ufig auf die Entwicklung des Erzeugerpreisindex oder eines seiner Subindizes Bezug genommen. Zum Teil werden auch Außen- oder Großhandelspreisindizes oder die Preise fĂŒr ausgewĂ€hlte Mineralölprodukte verwendet.

"Preisindizes fĂŒr Stahl werden zum Beispiel als BezugsgrĂ¶ĂŸe fĂŒr Preisanpassungen bei VertrĂ€gen in der Baubranche eingesetzt. Tarife fĂŒr die GĂŒterbeförderung mit LKWs sind sehr oft an die Preisentwicklung wichtiger Kostenbestandteile wie die Erzeugerpreise fĂŒr LKW und Diesel gekoppelt.

  • Wenn Sie Fragen zu Preisindizes und deren Verwendung in Preisgleitklauseln haben, bieten wir Ihnen allgemeine fachliche und methodische Beratungsleistungen. Einzelfallbezogene Berechnungen des Geldwertes von Forderungen oder Verbindlichkeiten fĂŒr die Anpassung vertraglich vereinbarter PreisĂ€nderungsklauseln können wir nicht vornehmen, da sie nicht zu unserem gesetzlichen Aufgabenumfang gehören. Insbesondere rechtsverbindliche AuskĂŒnfte sind uns untersagt.
  • Wir können auch keine Empfehlungen aussprechen, welcher Index bestimmten VertragsverhĂ€ltnissen zugrunde zu legen ist, da es sich dabei nicht um ein statistisches Problem, sondern um eine Ermessensfrage zu einem privatrechtlichen Vertrag handelt, die von den Vertragsparteien selbst zu beantworten ist."

Quelle: Destatis

Welche Möglichkeiten bietet das Statistische Bundesamt, GP-Nummern zur Kanalsanierung langfristig aufzunehmen? (13.04.2022)

Die Klassifikationsstatistik der GĂŒter wird etwa alle fĂŒnf Jahre ĂŒberarbeitet. FĂŒr die Preiskalkulation relevante Stoffe und Produkte, die bisher nicht aufgefĂŒhrt wurden, können dort aufgenommen werden.  Um Aktualisierungen vorzunehmen, werden regelmĂ€ĂŸig auch VerbĂ€nde angehört. Der RSV gehört nun zu den VerbĂ€nden, die das Bundesamt fĂŒr Statistik kĂŒnftig fĂŒr die Anhörung in die Klassifikation aufnimmt. Allerdings: Aufgenommen werden in den Erzeugerpreisindex nur jene Produkte und Stoffe, die zu den umsatzstĂ€rksten gehören.

Aktuelle Situation fĂŒr Unternehmen im Schlauchlining (08.04.2022)

Die Grundstoffe fĂŒr Schlauchliner sind hauptsĂ€chlich auf Erdöl basierende Harze (UngesĂ€ttigtes Polyesterharz oder Epoxidharz) sowie TrĂ€germaterialien (SchlĂ€uche aus speziellen ECR-Glasfasern oder Nadelfilz). Seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine und der massiven Verteuerung von Energie haben sich die Preise fĂŒr petrochemische Grundstoffe zum Teil vervielfacht (aktuelle News dazu unten).

Hinzu kommt: Preisgarantien fĂŒr Grundstoffe werden laut einem Hersteller derzeit nur noch maximal 14-tĂ€gig gegeben. Es herrscht eine Ausnahmesituation, die die Folgen der Corona-Pandemie und LieferausfĂ€lle Anfang vergangenen Jahres nochmal deutlich in den Schatten stellt. Siehe: RSV-Stellungnahme: RSV fordert Sonderregelungen bei öffentlichen Kanalsanierungen 

FĂŒr Hersteller wird es derzeit zunehmend schwer, Preise ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum stabil zu halten - sie mĂŒssen die Preissteigerungen an die ausfĂŒhrenden Unternehmen weitergeben.

AusfĂŒhrende Firmen, die Ende vergangenen Jahres den Auftrag fĂŒr die AusfĂŒhrung einer Baustelle erhalten haben, die in diesem Jahr ansteht, sind ebenfalls in einer schwierigen Situation. LĂ€ngerfristige AuftrĂ€ge zu kalkulieren, ist so gut wie unmöglich, was zu einer ZurĂŒckhaltung auf Auftragnehmerseite fĂŒhrt.

Preiskalkulation fĂŒr Schlauchliner: So rechnen Sanierungsunternehmen (08.04.22)
In der Regel werden Kanalsanierungen ĂŒber Bieterwettbewerbe nach VOB ausgeschrieben. Ist die Ausschreibung veröffentlicht, bewerben sich die ausfĂŒhrenden Firmen und kalkulieren fĂŒr das Angebot einen Preis, der aus dem Vorprodukt Schlauchliner und den Kosten fĂŒr die Installation besteht.
 
Vorgegeben werden ĂŒber die Ausschreibung i. d. R. Rahmenbedingungen, LĂ€nge, Durchmesser und das gewĂŒnschte TrĂ€germaterial des Schlauchliners.
 
Die Verkaufspreise fĂŒr Schlauchliner-Vorprodukte sind nicht öffentlich und werden zwischen Sanierungsfirmen und Hersteller individuell ausgehandelt. Je nach Mengenabnahmen gibt es zuweilen Rabatte. Um den Preis fĂŒr das Vorprodukt  Schlauchliner zu ermitteln, fragen ausfĂŒhrende Unternehmen diesen beim Hersteller an. Hinzu kommen Lohnkosten, Baustellensicherungsmaßnahmen, Wasserhaltung (also die Ableitung des Wassers wĂ€hrend der Arbeiten) sowie Anschlussleitungen, Manschetten, Transportkisten, Treibstoff.
 
Den Angebotspreis fĂŒr den Schlauchliner geben ausfĂŒhrende Unternehmen ĂŒber das Angebot weiter. Bei deutlichen Preiserhöhungen, die zwischen dem Vertrag und der AusfĂŒhrung liegen, ist dann in der Regel keine nachtrĂ€gliche Weitergabe der Kostensteigerung möglich. Hier kommt es auf das GesprĂ€ch zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer an (siehe RSV-Stellungnahme vom 24.03.2021: RohstoffengpĂ€sse setzen Branche unter Druck)
 
Nach erfolgter Arbeit wird der vereinbarte Preis gemĂ€ĂŸ Angebot an den Auftragnehmer (Sanierungsunternehmen) ausgezahlt.
Verzicht auf Preisgleitklauseln - welche Konsequenzen drohen? (09.05.22)

Eine Pflicht, Preisgleitklauseln zu verwenden und gegebenenfalls Ausschreibungen anzupassen, besteht derzeit nur bei Baumaßnahmen des Bundes (siehe Erlass). In der Regel geht mi Wird eine konkrete Kalkulation der Materialien in der Ausschreibung nicht gefordert, ist bei starken Preisschwankungen auch mit einer starken Schwankung der Bieterpreise zu rechnen.

Verzichten Auftraggeber auf entsprechende Klauseln zur Anpassung an Preissteigerungen sind folgende Szenarien denkbar:

  • Ausschreibungen werden zurĂŒckgezogen, weil das Submissionsergebnis nicht zur KostenschĂ€tzung passt. Dies kann GrĂŒnde auf beiden Seiten haben,.
  • Bieter nehmen einen erhöhten Risikozuschlag in Angebote auf, um sich fĂŒr weitere mögliche Preissteigerungen zu wappnen.
  • Es werden keine Angebote eingereicht.
  • Unternehmen reichen Angebote ein, sind aber aufgrund von unwirtschaftlicher Kalkulation nicht mehr in der Lage, AuftrĂ€ge auszufĂŒhren.
  • Insolvenz von Unternehmen und damit fehlende Dienstleister fĂŒr kĂŒnftige Ausschreibungen

 

(ohne GewÀhr)

Stoffpreisgleitklauseln im Bau - Grundlegende Informationen (28.03.22)

Ausschreibende Stellen können in Vergabeunterlagen eine Stoffpreisgleitklausel mit aufnehmen, um in Fall starker Preisschwankungen eine angemessene Kalkulation von Angeboten zu ermöglichen. HierfĂŒr steht das Formblatt 225 zur VerfĂŒgung, das im Vergabe- und Vertragshandbuch fĂŒr die Baumaßnahmen des Bundes enthalten ist.

Bis Ende Juni 2022 hat die Bundesregierung eine Praxisempfehlung herausgegeben, nach der bei öffentlichen Bau- und VerkehrsauftrÀgen des Bundes Preisgleitklauseln bei VertrÀgen möglich sein sollen. Auch nachtrÀgliche Preisanpassungen sollen möglich sein. Die Praxisempfehlung finden Sie unten im Downloadbereich.

Die jeweils verwendeten Materialien werden beim Vertrag dort aufgelistet und mit GP-Nummern aus dem GĂŒterverzeichnis Produktionsstatistiken gekennzeichnet. Die Preisindizes fĂŒr die Produkte werden monatlich durch das statistische Bundesamt (Destatis) bekanntgegeben.

Der aktuelle Erzeugerpreisindex wird am 21. eines jeden Monats vom Statistischen Bundesamt (Destatis) herausgegeben.

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