Ranking zu Abwassergebühren: Haus & Grund heizt Diskussion an

(03.07.2020) "Viele NRW-Städte erhöhen Abwassergebühr", "Gebühren in Chemnitz und Zwickau am höchsten" - mit Schlagzeilen dieser Art bringt sich der Verband "Haus & Grund" derzeit in die Medien. Die Folge: Zahlreiche Kommentare beleuchten kritisch die Kostensteigerungen von Seiten der Netzbetreiber. Inzwischen haben die Verbände VKU und BDEW reagiert.

Basis für die PR-Aktion von Haus & Grund ist ein Abwassergebührenranking, das im Auftrag des Hauseigentümerverbandes bei der IW Consult erstellt wurde. Es listet die Abwassergebühren der 100 größten Städte in Deutschland auf.

Haus & Grund verbindet die Studie mit der Forderung an die Kommunen. „Die Abwassergebühren in vielen Städten sind zu hoch. Damit zahlen viele Bürger Jahr für Jahr zu viel an Gebühren“, erklärt der Verband in einer Pressemitteilung. Die Städte seien gefordert, die Ursachen für die hohen Kosten zu ermitteln und im Anschluss Maßnahmen zur Kostensenkung umzusetzen, zitiert der Verband den Präsidenten Kai Warnecke. In Zeitungskommentaren übernehmen Medienvertreter die Argumentation und fordern - wie in Potsdam - eine Neukalkulation der Gebühren.

Ein konkretes Potenzial zu Gebührensenkungen ist aus der Studie nicht unmittelbar ersichtlich. "Die Ergebnisse dieser Untersuchung zeigen, dass Anbieter in strukturell nachteiliger Umgebung durchaus günstige Abwassergebühren anbieten können", heißt es in der Zusammenfassung der Autoren, die zugleich mehr Transparenz fordern. "Wir sind überzeugt: Wo Preise und Gebührenordnungen transparent, nachvollziehbar und vergleichbar sind, kann ein Wettbewerb entstehen, der die Preise für viele Verbraucher sinken lässt".

Unterdessen wehren sich Vertreter der Netzbetreiber  gegen pauschale Aussagen zu hohen Gebühren. In einer Pressemitteilung stellt der BDEW klar: „Wir dürfen hier nicht Äpfel mit Birnen vergleichen: Die Abwassergebühren hängen von zahlreichen Faktoren ab". Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) erklärt in einem Dossier: "Planung, Bau und Betrieb der Abwasserbeseitigung wird durch naturräumliche Gegebenheiten wie meteorologische, hydrologische, geologische und topographische Verhältnisse im Entsorgungsgebiet maßgeblich bestimmt." 

Die Autoren der Studie geben zu bedenken, dass ausschließlich die Höhe der erhobenen Gebühren betrachtet werden und nicht die Ursache ihrer Entstehung. "Eine solche Detailanalyse wäre jedoch im nächsten Schritt sinnvoll, um die Preisgestaltung der Kommunen genauer beurteilen zu können", heißt es in einer Erklärung. Die Studie könne Grundlage für weitere Diskussionen und Untersuchungen in den verschiedenen Städten sein.

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